„Polka“ und „Mieze Schindler“ erhielten beste Noten
Als eine der am frühesten im Jahr reifenden Obstarten erfreut sich die Erdbeere beim Verbraucher einer besonderen Beliebtheit. Das trifft natürlich besonders auf die „Breschdlinge“ zu, die im Haus-garten angebaut werden. Wie kaum eine andere Kultur werden sie umhegt und umpflegt, damit für lange Zeit gesunde und köstliche Früchte zum Naschen und zur häuslichen Verwertung reifen. Für diesen Zweck ist es besonders wichtig, bereits bei der Wahl der anzubauenden Sorten nur solche zu wählen, die geschmackvoll und auch ohne chemischen Pflanzenschutz gesund sind. Im Gegensatz zum Erwerbsanbau, wo Transportfestigkeit und Lagerfähigkeit gefragt sind, können wir im Hausgarten die Früchte ja sofort verwerten. Deshalb sind für uns ganz andere Bewertungskriterien maßgeblich als im
Erwerbsobstbau.
Sortenwahl
Eine Antwort auf die Frage „welche Sorte soll ich denn nun bei mir pflanzen ?“ kann nur die Bewertung von in der Nähe stehenden Erdbeerkulturen in Bezug auf Ertrag, Aussehen, Geruch und Geschmack unter
Kleingartenbedingungen geben. Außerdem ist von Interesse, wann die Erdbeeren reif sind, denn je nach Sortenwahl und Anbaubedingungen reifen die Früchte bei uns im Freiland zwischen Anfang Juni und Anfang Juli. Im Landkreis Böblingen finden deswegen in unregelmäßigen Abständen Bonitierungen von im Ertrag stehenden Sorten statt, die letzte im Juni 1999 bei Fachwart Bernd Carle in Warmbronn.
Die Bonitierung
Dort standen seit August 1998 für einen Sortenversuch 11 verschiedene Erdbeersorten mit insgesamt 120 Pflanzen auf 30 qm. Der Standort ist, gegen Westwinde geschützt, sonnig bis halbschattig durch Heckenumpflanzung, der Boden ein frisch umgebrochener Rasen, wie er im Kleingarten häufig vorkommt, der vor der Erdbeerpflanzung reichlich mit Humus versorgt wurde (Kompost/Humus vom Häckselplatz). Die Bewertung nahmen 12
Fachwarte oder Vorstandsmitglieder benachbarter Obst- und- Gartenbauvereine (Warmbronn, Rutesheim, Maichingen, Sindelfingen,...) sowie der Fachberater des Landkreises, Manfred Nuber, vor. Die 11 angebauten Sorten waren: Darselect, Florika, Hummi Aroma, Hummi Bella, Korona, Mieze Schindler, Polka, Senga Sengana, Symphony, Tenira und Thuriga.
Die Bewertung
Nach ausgiebiger Prüfung von Geschmack, Geruch, Farbe, Ertrag, Fruchtgröße sowie der Gesundheit der niemals gespritzten Pflanzen legte die Jury ihr Urteil fest. Ausgewählt als
besonders gut wurden:
Platz 1: „Polka“,
mittelfrühe Sorte mit mittleren bis großen
Früchten, süß und aromatisch.
Platz 2: „Mieze Schindler“, sehr späte Sorte, vollreif dunkelrot, sehr süß und aromatisch, aber etwas weich. Rein weibliche Blüten, benötigt daher eine geeignete
Bestäubersorte daneben. Ertrag mittel bis gut, dankbar für Feuchtigkeit.
Platz 3: „Hummi Aroma“, mittelfrüh, mittelgroß, dunkelrot geerntet süß und sehr aromatisch.
Als weitere sehr gute Sorten wurden „Darselect“ (früh, sehr große und süß-aromatische Früchte) und „Symphonie“ (ebenfalls sehr große Früchte, mittelspät) bewertet. Allerdings wird es zur Zeit noch Probleme geben, diese für den Hausgarten zu bekommen, weil
es sich um ganz neue Sorten handelt. Die übrigen vorher
genannten Sorten eignen sich, wie bereits erwähnt, durchaus
auch zur Pflanzung, sind aber nur gut bis befriedigend und nicht
„sehr gut“.
Anbautips
Erdbeeren, die bis zum Stichtag 10. August gepflanzt wurden, bringen im Folgejahr bereits den Vollertrag (bei Pflanzen in 9er-Töpfen kann auch einige Tage später gepflanzt werden). Also das Erdbeerbeet rechtzeitig von der Vorfrucht räumen. Die Jungpflanzen nicht zu tief und nicht zu hoch setzen (die Mittel- oder Herzknospe muß gerade auf dem Boden stehen) und immer ausreichend bewässern. Für den Pflanzenschutz bietet sich im Hausgarten an, Knoblauch (als Schutz gegen Grauschimmel) und Tagetes oder Ringelblumen (als Schutz gegen Nematoden) zwischen die Erdbeeren zu pflanzen. Die Knoblauchzehen werden im Oktober zwischen jeweils zwei Erdbeerpflanzen gesteckt und im
Jahr darauf Juli/August, wenn sie reif sind, geerntet.
In den Jahren 2001 und 2002 hat sich gezeigt, wie empfindlich Früchte tragende Erdbeeren im Juni auf Wassermangel reagieren (siehe auch den Bericht von Manfred Nuber zur Witterung ) Alle Erdbeersorten außer unseren heimischen Walderdbeeren mußten im Juni künstlich bewässert werden, damit überhaupt noch ein Ertrag erzielt werden konnte. Was wir in Zukunft tun müssen, können wir im Forum diskutieren.
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