Neue
und alte Sorten
Es gibt weltweit mehrere hundert
Kartoffelsorten. Darunter finden sich neben den bekannten weiß-
bis gelbfleischigen Sorten mit bräunlicher Schale auch
solche mit blauen, gelben, rosa oder roten Schalen sowie mit z.B.
blauem Fleisch. Auch die Form kann sehr stark variieren: neben
den heute vorherrschenden runden bis ovalen Sorten gibt es auch
längliche, etwa die 'Bamberger Hörnchen'. Kartoffeln
werden in Europa schon seit mehreren Jahrhunderten kultiviert (in
Südamerika bereits wesentlich länger), und entsprechend
groß ist die Zahl alter, heute aber weitgehend unbekannter
Sorten, die in mancher Hinsicht eine Alternative zur heutigen
Massenware darstellen.
Im Handel werden Sie nur die wenigsten dieser alten Sorten
finden. Sie entsprechen nicht den heutigen Erwartungen an Ertrag,
Größe und Einheitlichkeit und sind deshalb trotz ihres
teilweise hervorragenden Geschmacks und anderer innerer Werte
weitgehend vom Markt verschwunden.
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Ertrag und Preis
Damit soll nichts generell
Schlechtes über die aktuell zugelassenen Saatkartoffelsorten
gesagt sein - es gab auch schon früher welche, die auf die
eine oder andere Weise nicht befriedigten. Zuchtziele sind heute
eben Ertrag oder einheitliche Größe und Form, um sie
besser maschinell sortieren und bearbeiten zu können. Das
ist bei einem Massenmarkt, bei dem es letzendlich oft nur darum
geht, möglichst billig zu produzieren, auch gar nicht anders
möglich. Bessere Qualität kostet einfach mehr als
Durchschnittsware.
So wird die marktgängige Kartoffelsorte 'Sieglinde' von
vielen hoch geschätzt, auch wenn sie zu einem deutlich
höheren Preis verkauft wird als 'Cilena' und 'Granola' (oder
wie sie sonst heißen mögen). Der höhere Preis
kommt daher, dass der Ertrag bei 'Sieglinde' etwa nur halb so
groß ist wie bei anderen Sorten. Wer ihren besonderen
Geschmack schätzt, der bezahlt aber auch etwas mehr.
Dasselbe gilt noch viel mehr für die alten
Kartoffelsorten. Ihr Ertrag ist meist deutlich geringer (das war
ja gerade ein Grund für ihr Verschwinden), und dort, wo es
sie noch gibt, ist der Preis entsprechend. In letzter Zeit werden
vereinzelt rot- bis rosaschalige Kartoffeln im Supermarkt zu
Preisen um 2 € pro kg angeboten, und für die
geschmackliche Spitzensorte 'Bamberger Hörnchen' sind 5
€ normal.
Eigener Anbau
Wer etwas Fläche entbehren
kann, sollte den Anbau der einen oder anderen alten Sorte einmal
selbst versuchen. Einige unserer Fachwarte haben seit mehreren
Jahren Sorten wie 'Roseval', 'La Ratte', 'Bamberger' oder
'Ackersegen' im Nachbau und haben keine schlechten Erfahrungen
dabei gemacht. Der heiße und trockene Sommer 2003 hat dabei
deutlich gemacht, dass 'Bamberger' oder andere
hörnchenförmige Kartoffeln relativ viel Wasser
benötigen, um eine ausreichende Größe zu
erreichen, während z.B. die aus Frankreich stammende
'Roseval' hier etwas bescheidener ist.
Im üblichen Landhandel ist Saatgut dieser Sorten jedoch
praktisch nicht zu bekommen. Wir können bei Interesse aber
Bezugsquellen nennen.
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