Fachwarte für Obst und Garten im Landkreis Böblingen

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Infos zu Edelsorten und Unterlagen

  Hier finden Sie die aktuellen Obstsortenlisten der Fachberatungsstelle für Obst-und Gartenbau im Landkreis Böblingen, die wir mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen. Die empfohlenen Sorten haben sich in unserem Landkreis in den letzten Jahren und Jahrzehnten im Hausgarten und Streuobstbau bewährt, sind ziemlich robust und kommen meist ohne chemischen Pflanzenschutz aus.

  Für den Hausgarten sollten generell Sorten gewählt werden, die resistent oder tolerant sind. Gemäß dem seit 2001 bundesweit geltenden Pflanzenschutzgesetz gibt es in diesem Bereich nur noch wenige erlaubte Spritzmittel. Außerdem dürfen diese ohne Sachkundenachweis des Anwenders nur in Kleinstmengen abgegeben werden, die dementsprechend teuer sind. Das bedeutet im Endeffekt, dass im Hausgarten der Pflanzenschutz in erster Linie durch anbautechnische Massnahmen erfolgen muss, was aber bei Auswahl geeigneter Sorten und fachgerechtem Schnitt durchaus möglich ist. Typische Marktsorten wie Golden Delicious, Jonagold oder Cox Orange sind daher für den Hausgarten ungeeignet. Aber Berlepsch, Topaz, Rewena oder Kaiser Wilhelm schmecken auch hervorragend. Wer den typischen Cox-Geschmack bevorzugt, sollte auf die ziemlich unproblematische Alkmene ausweichen. Und der robuste Brettacher ist nach richtiger Lagerung ab Dezember ein hervorragender Tafelapfel. Es gibt also auch ohne Chemie genügend anbauwürdige Sorten (und durchaus mehr als die genannten) für den Hausgarten.

  Der Platz im Hausgarten ist oft nur knapp bemessen. Berücksichtigen Sie deshalb bereits bei der Pflanzung eines Baumes dessen späteren Platzbedarf. Als Beispiel: Eine Süsskirsche auf Unterlage F 12/1 beansprucht nach knapp 10 Jahren etwa 5 x 5 m (25 qm) - daran lässt sich auch durch "strenges" Schneiden nur wenig ändern - und muss in kleinen Gärten wegfallen. Dort bieten sich schwachwachsende Unterlagen an (für Kirschen zur Zeit Colt, Gisela oder Weiroot, die aber auch nicht ganz problemlos sind). Bei Äpfeln ist das einfacher: schwachwachsende Unterlagen sind seit Jahrzehnten erprobt und heutzutage Standard im Erwerbsobstbau. Wenn Sie also einen Baum zum Setzen kaufen, dann legen Sie nicht nur Wert auf die aufveredelte Ertragssorte, sondern auch auf die Unterlage, die als Wurzel die Stärke des Wachstums bestimmt. Diese Informationen bekommen Sie am ehesten in einer Baumschule. Wenn Sie einen Baum in einem "Gartencenter" oder einem "Baumarkt" kaufen wollen und nach der Unterlage fragen, dann werden Sie dort meist Schiffbruch erleben: Auf diese Frage erhalten Sie häufig keine Antwort. Denn das weiß dort niemand.

  Sorgfalt sollte im Hausgarten auch auf die passende Kombination zwischen Unterlage und Edelsorte gelegt werden. Viele Birnensorten haben vegetative Probleme mit Quittenunterlagen, dafür sollte die Baumschule gemäß den heutigen Kenntnissen eine Zwischenveredlung mit z.B. Gellerts anbieten. Ohne eine solche Zwischenveredelung zeigen solche Bäume früher oder später Mangelerscheinungen ähnlich einer Chlorose. Bei Äpfeln enttäuschen manche Edelsorten auf schwachwachsenden Unterlagen beim Geschmack. So sind Goldparmänen oder Gewürzluiken auf M 9 baumschultechnisch problemlos machbar, schmecken darauf aber nicht. Für ein befriedigendes Aroma brauchen diese Sorten mindestens mittelstark wachsende Unterlagen.

  Achten Sie auch darauf, dass geeignete Befruchtersorten in der Nähe wachsen. Viele Obstbäume sind selbstunfruchtbar, also auf Pollen einer anderen nicht allzuweit entfernten Befruchtersorte angewiesen. Wenn ein Baum trotz aller Pflege zwar vegetativ gut gedeiht und reichlich blüht, aber trotzdem keine Früchte trägt, dann liegt die Ursache häufig im Fehlen einer Befruchtersorte. Falls in der Umgebung keine solche bereits vorhanden ist, sollten Sie sicherheitshalber mehrere Bäume derselben Art, jedoch mit verschiedenen Sorten pflanzen. In kleineren Gärten ist es auch möglich, auf einen Baum mehrere Sorten aufzuveredeln. Welche Sorten als Befruchter dienen können ist in der Fachliteratur beschrieben, lassen Sie sich ggf. vom örtlichen Obst- und Gartenbauverein beraten.

  Wenn Sie Fragen dazu haben, dann dürfen Sie diese gerne im Forum stellen.