Fachvortrag „Frühjahrsblüte aus Blumenzwiebeln – Tipps für Pflanzung und Pflege“

Im Rahmen seines Herbstfestes, das der Obst- und Gartenbauverein Münklingen am 12. Oktober 2019 in und rund um die Festhalle veranstaltete, hielt Andreas Fetzer einen Fachvortrag zum Thema „Frühjahrs­blüte aus Blumenzwiebeln – Tipps für Pflanzung und Pflege“ mit dem Schwerpunkt auf Tulpen. Andreas Fetzer gehört zum Leitungs­gremium des Familienbetriebes Samen-Fetzer aus Reut­lingen-Gönningen mit etwa 30 Mitarbeitern. Die Firma bietet nicht nur Sämereien für Gemüse, Blumen und Kräuter an, sondern auch Blumenzwiebeln und Knollen sowie Blühmischungen und land­wirt­schaftliche Saaten wie Grün­düngung, Futter und Rasen.

Andreas Fetzer beim Vortrag

Die Gemeinde Gönningen war vor allem früher berühmt für seinen Samen­handel. Im 18. und 19. Jahr­hundert war in Gönningen zeitweise die Hälfte der Gesamtbevölkerung mit dem Samenhandel beschäftigt. Um 1850 gab es in Gönningen 1200 Samenhändler. Um das Jahr 1930 kamen Sonder­züge voller Menschen aus Dresden zur Besichtigung des üppigst blühenden Friedhofs. Die Geschichte des erst vor wenigen Jahren erschienenen Romans „Die Samenhändlerin“ von Petra Durst-Benning spielt in Gönningen und trug nicht unwesentlich zum heutigen Bekannt­heitsgrad des Ortes bei.

Die Hauptsaison der Firma Samen-Fetzer ist jähr­lich der Zeitraum von Januar bis etwa Mitte März. In dieser Zeit werden vor allem Geschäftskunden beliefert, aber auch ambitionierte Hobbygärtner bedient.

Einige der am häufigsten gestellten Fragen sind die:

  • Wann ist die richtige Kauf- und Pflanzzeit für Blumenzwiebeln?
  • Woran ist eine gute Qualität zu erkennen?
  • Warum blühen Tulpen nur einmal?
Gefüllte Tulpe ‘Rosendahl’

Die günstigsten Bestell­termine sind die Monate Mai oder September. Frische Ware ist frühestens im August verfügbar, meist wird ab Septem­ber ausgeliefert. Theoretisch könnte damit auch die Pflanzzeit beginnen. Es ist jedoch besser, mit der Pflanzung bis Oktober oder November zu warten, weil erst dann die Temperatur niedriger als 10 °C ist. Oberhalb dieser Temperaturgrenze geschieht sonst keine Anwurzelung. Dies ist auch der Grund, weshalb es in Italien südlich von Rom keine Tulpen gibt – es ist dort insgesamt zu warm. Ursprünglich stammen die Tulpen aus der Türkei, von Persien und dem Himalajagebiet.

Wildtulpe Tulipa turkestanica ‘Linux’

Tulpen benötigen einen eher kargen, kalkhaltigen Boden. Eine hellbraune Erde ist gut geeignet, dunkle Erden haben einen zu niedrigen pH-Wert und sind meist zu sauer. Daher sollte auch kein Kompost gegeben werden. Absolut wichtig ist ein vollsonniger Standort, dieser entscheidende Faktor ist noch wesentlicher als die Bodenbeschaffenheit.

Zwiebeln von Tulipa orphanidea

Ein großer Zwiebelumfang bedeutet gute Quali­tät. Tatsächlich werden die Blumen­zwiebeln im Handel nach Größen sortiert angeboten. Bei den Tulpen wäre die Klasse 11/12 (11 bis 12 Zenti­meter Umfang, entsprechend 3,5 Zenti­metern Durchmesser) von guter Qualität, Zwiebeln der Klasse 12+ noch besser. Narzissenzwiebeln sind eher noch größer, hier wäre die Klasse 14/16 eine ausreichend gute Qualität. Bei der Qualitätsprüfung ist stets zu beachten, dass der Zwiebelboden fest sein muss: Er darf sich nicht matschig anfühlen und auf leichten Druck nicht nachgeben. Hingegen ist eine Verletzung der Zwiebelhaut unkritisch und problemlos. Für fortgeschrittene Gärtner gilt der folgende Rat des Experten: Ruhig auch mal an den Zwiebeln riechen, der Duft sollte nicht muffig sein. Interessante Düfte finden sich je nach Sorte und Frische ein: Sie duften nach Banane, Fisch oder etwa wie Nagel­lack­entferner, aber auch süßliche Noten können wahrgenommen werden. In Holland werden die Tulpen sortenweise als Monokulturen aufgepflanzt, im Herbst wird mit einer Maschine nach Art eines Kartoffel­roders geerntet.

Warum blühen Tulpen nur einmal? Im Boden passiert nach erfolgter Pflanzung zunächst gar nichts, weshalb die Zwiebeln zur Not auch noch im Dezember pflanzbar sind, solange es die Witterung zulässt. Das Wachs­tum beginnt ab März des folgenden Jahres. Etwa im Mai/Juni beginnt die Blüte­zeit. Im Juli/August werden neue Brutzwiebeln angelegt, es bilden sich die sogenannten Tochter­zwiebeln, oft 5 bis 6 Stück an einer Mutterzwiebel. Das Blattwerk der verblühten Tulpe soll so lange wie möglich stehen gelassen werden, damit die durch Fotosynthese gebildeten Stoffe in die Zwiebel als Speicherorgan eingelagert werden können. Die Blüte soll vor der einsetzenden Samenbildung abgeschnitten werden, da dies der Pflanze viel Kraft raubt. Tulpen aus zu kleinen Brutzwiebeln blühen nicht, sondern bilden nur Blätter aus.

Tulpe ‘Schöne von Appeldoorn’

Tulpen könnten auch aus Samen gezogen werden, allerdings fallen die Nach­kommen nicht sortenrein. Außerdem müsste der Samen sofort stratifiziert (durch Kälte­einwirkung zur Keimung angeregt) werden, weil er sonst vertrocknet und nicht mehr keimfähig ist. In Holland erwärmen sich die lockeren Sand­böden gleichzeitig mit der Luft­temperatur, bei uns hingegen nicht, hier bleibt der Boden in der Regel kalt bis zu den Eisheiligen Mitte Mai. In Holland werden die Blüten während der Vollblüte abgemäht. Gedüngt wird am besten im April oder Mai vor einsetzender Blüte, der verwendete Dünger sollte PK-betont sein (P = Phosphor, K = Kalium).

Darwin-Tulpen

So blühen Tulpen viele Jahre:

  • Frühe und mittelfrühe Sorten sind besser als späte Sorten.
  • Narzissen blühen häufig noch früher als Tulpen.
  • Auf Wühlmäuse achten: Sie fressen Tulpen­­zwiebeln nur zu gern. Zur Ver­grämung wird empfohlen, Hyazinthen oder Narzissen dazwischen zu pflanzen.
  • Viel Sonne.
  • Düngen nicht vergessen.
  • Nach der Blüte den Blüten- bzw. Samen­stand wegschneiden.
Ausgewilderte Tulpe

Blumenzwiebeln können nicht zu dicht stehen. Dies gilt gleichermaßen im Freiland wie auch im Blumen­topf. Bei einer Kombination unterschiedlicher Zwiebeln im Topf kommen oben frühe, darunter mittlere und unten späte Blüher zu liegen. Frühe Blüher sind beispielsweise Anemonen und Kro­kusse, das mittlere Segment decken Narzissen ab, und als Spätblüher dienen Tulpen. Ein mit Blumen­zwiebeln besetzter Topf kann im Freien über­wintern, es muss lediglich beachtet werden, dass der Topf nicht durchfriert. Eine Schnee­decke schützt die Zwiebeln vor Frost, in Gegenden ohne Schnee werden die Zwiebeln daher tiefer gepflanzt. Eine Tulpe kann nicht zu tief gepflanzt werden. Die Zwiebeln geraten natürlicher­weise immer mehr in die Tiefe: Nachdem sich die Brutzwiebeln seitlich unten an der Mutter­zwiebel bilden, gerät jede neue Generation ein kleines Stück tiefer als die alte Generation. Bei tiefgreifenden Garten­umgestaltungen finden sich mitunter Tulpen­zwiebeln in Tiefen, die man nicht für möglich gehalten hätte. Dennoch erscheinen sie jedes Jahr aufs Neue, der unter­irdische Teil des Stängels wächst eben immer länger.

Dem Gärtner wird empfohlen, das Wetter zu beachten und gegebenenfalls zu „imitieren“: Sollte der Winter schneelos oder schneearm geblieben sein, muss unbedingt ab Februar/März gegossen werden, weil die Blumen­zwiebeln sonst verkümmern. Ein eventueller Frostschaden ist daran zu erkennen, dass der oben erscheinende Jungtrieb sich leicht von der Zwiebel abziehen lässt.

Fransentulpe ‘Matchpoint’

Wie kann ein Sommer­traum aus Blumen­zwiebeln gezaubert werden? Eine Kombination beispielsweise aus Zierlauch (Allium), Prärie­lilie (Camassia), Steppen­kerze (Eremurus) und Schwert­lilie (Iris) sieht fantastisch aus und ergibt gleich­zeitig eine lange Blüte­zeit. Die Steppen­kerzen kommen zudem mit Trocken­standorten gut zurecht. Sie bilden keine Zwiebeln aus, sondern Knollen oder Rhizome, wie dies auch bei den Schwert­lilien der Fall ist. Eher klein­bleibende Arten sind zum Beispiel Märzen­becher, Knoten­blume (Leucojum aestivum), Triandrus- oder Engels­tränen-Narzisse (Narcissus triandrus) sowie Garten-Anemone (Anemone coronaria). Es wird ermutigt, bei Farb­kombinationen experimentier­freudig zu sein.

Tulipa saxatilis ‘Lila Wunder’

Am Ende des Vortrags fasste ein Quiz wichtige Fakten noch­mals zusam­men, unter anderem:

  • Es gibt mehr als 4000 Tulpensorten, wovon Fetzer etwa 500 bis 600 zu liefern vermag.
  • Die Kaufmanniana-Tulpe ist niedrig wachsend und eine frühblühende Wild­tulpen­art.
  • Bei Fetzer im Probefeld stehen um die 22.000 Zwiebeln.
  • In der holländischen Gartenanlage Keuken­hof stehen über 2 Millionen Zwiebeln.

Nach dem Vortrag machte Andreas Fetzer auch Werbung in eigener Sache. Selbstverständlich konnten Blumen­zwiebeln direkt vor Ort käuflich erworben werden. Das tägliche Angebot für Besucher im Betrieb in Gönningen sind Fachvorträge, Betriebsführungen, eine Besichtigung des Gönninger Friedhofs sowie die Einkaufsmöglichkeit.

Andreas Fetzer nach dem Vortrag, von interessierten Damen umringt

Über Bruno Böhmler

Jahrgang 1956. Fachwart für Obst und Garten seit 2003. Danach kamen immer weitere Qualifikationen hinzu: LOGL-geprüfter Obstbaumpfleger, Heckengäu-Naturführer, kommunaler Baumwart (entspr. staatl. geprüft), Pflanzendoktor der Gartenakademie, FLL-zertifizierter Baumkontrolleur, Baumwertermittler.