{"id":1260,"date":"2019-06-30T04:45:30","date_gmt":"2019-06-30T02:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachwarte.de\/?p=1260"},"modified":"2019-06-30T04:45:30","modified_gmt":"2019-06-30T02:45:30","slug":"besichtigung-des-deutschen-wetterdienstes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachwarte.de\/?p=1260","title":{"rendered":"Besichtigung des Deutschen Wetterdienstes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den 28. Juni 2019 hatte die Fachwartvereinigung zu einer Betriebsbesichtigung des Wetteramtes Stuttgart des Deutschen Wetterdienstes <a href=\"https:\/\/www.dwd.de\/DE\/Home\/home_node.html\">(DWD)<\/a> eingeladen. Insgesamt 20 Teilnehmer, bestehend aus Fachwarten und weiteren interessierten Mitgliedern angeschlossener Obst- und Gartenbauvereine sowie Ehefrauen als G\u00e4ste hatten sich am Schnarrenberg eingefunden. Die Veranstaltung fand bei sch\u00f6nstem Sommerwetter mit strahlend blauem wolkenlosem Himmel statt, sodass die geplante Wolkenbeobachtung leider nicht durchgef\u00fchrt werden konnte. Herr Michael Gutwein, Leiter der Regionalen Messnetzgruppe des DWD Au\u00dfenstelle Stuttgart, f\u00fchrte durch das Gel\u00e4nde, sein Kollege Meteorologe Marcel Schmidt erl\u00e4uterte die Arbeiten in der Zentrale, die haupts\u00e4chlich an Computerbildschirmen abl\u00e4uft. Das Gro\u00dfraumb\u00fcro ist die Schaltzentrale der Au\u00dfenstelle Stuttgart des Deutschen Wetterdienstes. Die wichtigsten Arbeiten sind Bearbeitungen von Warnmeldungen, dann herrscht hektische Vollbesch\u00e4ftigung und dann k\u00f6nnen auch keine F\u00fchrungen stattfinden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1267\" aria-describedby=\"caption-attachment-1267\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1267 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00722-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00722-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00722-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00722-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1267\" class=\"wp-caption-text\">Meteorologe Marcel Schmidt (rechts) erl\u00e4utert seine Arbeit<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ergebnisse des Deutschen Wetterdienstes sind gr\u00f6\u00dftenteils kostenlos. Eine geeignete App f\u00fcr das Smartphone steht f\u00fcr jedermann zur Verf\u00fcgung. F\u00fcr kommerzielle Kunden wie beispielsweise Erdbeerbauern, Organisatoren von Open-Air-Veranstaltungen oder G\u00e4rtnereien wird ein Obolus, meist \u00fcber die Telefongeb\u00fchren, abgerechnet. Auch ein Feinstaubalarm bei fehlendem vertikalen Luftaustausch wird immer dann ausgel\u00f6st, wenn an zwei Tagen hintereinander die Grenzwerte \u00fcberschritten werden. Ein einsetzender Regen stoppt regelm\u00e4\u00dfig den Feinstaubalarm. Am Bodensee werden bei Sturmgefahr die Sturmwarnleuchten aktiviert, die je nach Warnstufe in unterschiedlicher Frequenz blinken. Auch die Energieversorger sind insbesondere an nahenden Gewitterereignissen mit Blitzintensit\u00e4t interessiert. Die F\u00fclle an gesammelten Daten machen die leistungsf\u00e4higsten Computer erforderlich. In Stuttgart gibt es aktuell zwei Wetterstationen: Auf dem Schnarrenberg und am Flughafen. Weitere Daten, insbesondere Niederschlagsmengen, werden von vielen ehrenamtlichen Helfern erhoben und sind \u00e4u\u00dferst wertvoll, um eine detailliertere Verteilungskarte erstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P\u00fcnktlich um 12.45 Uhr konnte der Aufstieg eines Wetterballons mitverfolgt werden. Auf Knopfdruck \u00f6ffnete sich die Klappe der aerologischen Station auf dem Dach des Nebengeb\u00e4udes und der Ballon stieg bei windstillem Wetter fast senkrecht in die H\u00f6he. Gleich nach dem Start beginnt sich von einer Haspel die Schnur abzuwickeln, an der die etwa 300 Gramm leichte Radiosonde am Ballon befestigt ist. Die immer l\u00e4nger werdende Schnur glitzerte im Sonnenlicht und war gut zu erkennen. Bei komplett abgewickelter Schnur h\u00e4ngt die Radiosonde 30 Meter unterhalb des Ballons.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1269\" aria-describedby=\"caption-attachment-1269\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1269 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00726-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00726-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00726-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00726-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1269\" class=\"wp-caption-text\">Aus der aerologischen Station (links) steigt der Wetterballon empor<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es werden t\u00e4glich mindestens zwei Wetterballone jeweils mit Radiosonde gestartet, bei Bedarf auch mehr, die Daten werden per Funk nach Oberschlei\u00dfheim bei M\u00fcnchen \u00fcbermittelt. Ein Wetterballon hat am Boden einen Durchmesser von 1,2 Meter, durch den in der H\u00f6he weniger werdenden Luftdruck hat der Ballon in 35 Kilometer H\u00f6he einen Durchmesser von 14 Metern, bevor er zerrei\u00dft. Die Radiosonde sinkt an einem Fallschirm nieder, der sich im Ballon befand. Bedingt durch die meist aus Westrichtungen wehenden Winde landen die Radiosonden h\u00e4ufig bei Aalen im Ostalbkreis, ihre Signale werden im Frequenzbereich um 405 Megahertz zur Erde \u00fcbertragen. Die Kosten f\u00fcr einen Wetterballon mit Radiosonde belaufen sich auf etwa 300 Euro. Ein Hinweis auf jeder Sonde gibt eine Adresse und Telefonnummer an, wo ein Finder das Ger\u00e4t melden kann. Nicht nur von Wetterwarten, auch von Schiffen werden t\u00e4glich Wetterballone gestartet, so sind etwa 700 deutsche Handels- und 600 Marineschiffe mit Ballonen ausger\u00fcstet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Besuch auf dem Messfeld, welches stets sauber gepflegt sein muss, weil der Pflanzenbewuchs das Mikroklima beeinflusst, wurden weitere Details genannt. So verf\u00fcgt die Universit\u00e4t Stuttgart-Hohenheim \u00fcber die l\u00e4ngste existierende Messreihe, dort sind seit dem Jahr 1878 die wichtigsten meteorologischen Gr\u00f6\u00dfen Lufttemperatur, Niederschl\u00e4ge und Sonnenscheindauer erfasst. Seit 1984 ist das Wetteramt Stuttgart des DWD am neuen Standort auf dem Schnarrenberg stationiert, nachdem das alte Domizil in Stuttgart in der Alexanderstra\u00dfe aufgegeben wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1268\" aria-describedby=\"caption-attachment-1268\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1268 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00724-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00724-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00724-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00724-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1268\" class=\"wp-caption-text\">Michael Gutwein (rechts) erkl\u00e4rt die Einrichtungen auf dem Messfeld<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Luftfeuchte und Lufttemperatur wird in zwei Meter H\u00f6he \u00fcber Grund erfasst und direkt an die DWD-Zentrale nach Offenbach am Main bei Frankfurt \u00fcbermittelt, die Messdaten werden dabei alle 30 Minuten geloggt. Bodentemperaturen werden f\u00fcnf Zentimeter \u00fcber dem bewuchsfreien Boden sowie im Erdboden in f\u00fcnf Stufen bis hinunter zu einem Meter Tiefe gemessen. Thermometer zur Temperaturermittlung werden l\u00e4ngst keine mehr benutzt, es gibt nur noch Thermosensoren. Die Windrichtung und -geschwindigkeit wird auf einem zehn Meter hohen Mast modern mit einem Ultraschall-Anemometer gemessen, das \u00e4ltere Schalenkreuzanemometer und die Windfahne laufen parallel mit und messen die gleichen Daten. Gerne setzen sich immer wieder V\u00f6gel auf das Schalenkreuzanemometer und fahren Karussell. Dies soll jedoch die Messung kaum beeintr\u00e4chtigen, weil sie nicht stundenlang darauf sitzenbleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Sichtweitenmesser erfasst Nebel und Tr\u00fcbungen der Luft, er funktioniert mit Laserlicht. \u00dcberhaupt schreitet die Modernisierung und Automatisierung in der Datengewinnung rasch fort, was nicht zuletzt auch einen rasanten Arbeitsstellenabbau bedeutet. Der moderne Niederschlagsmesser funktioniert mittels Ultraschallfeld, der ehemalige Hellmann-Niederschlagsmesser, dessen Sammelbeh\u00e4lter st\u00e4ndig von Hand geleert werden muss, l\u00e4uft nur noch nostalgisch nebenher und liefert genau die gleichen Ergebnisse. Eine nicht unerhebliche Menge, n\u00e4mlich ein Drittel der Gesamtniederschl\u00e4ge sind sogenannte abgesetzte Niederschl\u00e4ge, wozu Reif und Tau geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Wolkenh\u00f6henmesser, der sogenannte Tropopauser, sendet zur Abstandsmessung einen Laserstrahl senkrecht in die Luft, die Reflexionen des Laserstrahls geben Aufschluss \u00fcber die Wolkenbildung in drei unterschiedlichen H\u00f6hen zwischen 5 Meter und 13 Kilometer. Mittels eines Schneebrettes am Boden wird die Schneefallmenge bestimmt. Die Sonneneinstrahlung wird mit mehreren unterschiedlichen Instrumenten erfasst, von Interesse sind Sonnenscheindauer, -intensit\u00e4t und Globalstrahlung. Auch die Radioaktivit\u00e4t in der Luft sowie im Boden wird gemessen. Bedr\u00fcckend: Heute ist der ermittelte Wert noch immer achtmal h\u00f6her als vor dem katastrophalen Atomreaktorunfall in Tschernobyl im Jahre 1986.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1271\" aria-describedby=\"caption-attachment-1271\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1271 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00731-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00731-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00731-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00731-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1271\" class=\"wp-caption-text\">Pr\u00e4sentation in der Bibliothek des DWD<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Messfeldbegehung gab es in der Bibliothek einen Vortrag zum Thema \u201eWas ist Wetter?\u201c, der unter anderem die Unterschiede zwischen Wetter, Witterung und Klima veranschaulichte. Unterschiedliche Wolkenbilder wurden gezeigt und die Entwicklungsstufen eingehend erl\u00e4utert. Auch auf Gefahren des Blitzschlages wurde eingegangen sowie die Zuverl\u00e4ssigkeit von Wetter- und Bauernregeln diskutiert. Einige spektakul\u00e4re Starkwetterereignisse der vergangenen Jahre und deren Auswirkungen wurden angef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gesellige kam an diesem Tag keineswegs zu kurz: Im Anschluss an die hochinteressante F\u00fchrung fanden sich einige Fachwarte und G\u00e4ste in einem nahegelegenen Tennisvereinsheim ein, dort konnte bei sch\u00f6nstem Weitblick \u00fcber Stuttgart, das Neckar- und Remstal bis zur Schw\u00e4bischen Alb das Erlebte sowie weitere aktuelle Themen vertieft werden. Fazit: Eine gelungene Veranstaltung!<\/p>\n<figure id=\"attachment_1272\" aria-describedby=\"caption-attachment-1272\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1272 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00733-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00733-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00733-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSC00733-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1272\" class=\"wp-caption-text\">Anschlie\u00dfendes gem\u00fctliches Beisammensein<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den 28. 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