{"id":1287,"date":"2019-07-04T04:19:21","date_gmt":"2019-07-04T02:19:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachwarte.de\/?p=1287"},"modified":"2019-07-04T04:19:21","modified_gmt":"2019-07-04T02:19:21","slug":"der-wald-im-klimawandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachwarte.de\/?p=1287","title":{"rendered":"Der Wald im Klimawandel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach diesem Motto hatte die Fachwartvereinigung im Rahmen ihres Jahresleitthemas zu einer am 17. Mai 2019 stattgefundenen Waldbegehung eingeladen. Der Herrenberger Revierf\u00f6rster Winfried Seitz konnte 20 am Thema interessierte Fachwarte im Kuppinger Wald begr\u00fc\u00dfen. Durch den anf\u00e4nglichen Regenschauer lie\u00dfen sich die Teilnehmer nicht abschrecken, mehrere Standorte im Wald zu besichtigen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1290\" aria-describedby=\"caption-attachment-1290\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1290 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_01_BB-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_01_BB-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_01_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_01_BB-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1290\" class=\"wp-caption-text\">Revierf\u00f6rster Winfried Seitz hei\u00dft die Fachwarte willkommen<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst: Die Fichte wird durch den Klimawandel bedingt mittel- bis langfristig bei uns keine Chance haben, sie ist hier sowieso nicht heimisch. Der Forst setzt vorrangig auf die Baumarten Buche, Eiche, Wei\u00dftanne und Douglasie sowie auf einheimische Geh\u00f6lze. Zwar ist die Douglasie ebenfalls nicht heimisch, dennoch soll sie als Kurzumtriebsholz angebaut werden, sie kommt mit dem sich ver\u00e4ndernden Klima gut zurecht. Derzeit betr\u00e4gt der Anteil der Douglasie 5 Prozent des Gesamtbestandes. Man geht davon aus, dass die Douglasie sich durch die starke Harzbildung gut gegen den Fichtenborkenk\u00e4fer, den sogenannten Buchdrucker, wehren kann. Dies jedoch nur, wenn es dem Baum gut geht und er nicht bereits anderweitig, zum Beispiel durch Trockenstress, geschw\u00e4cht ist. Die Douglasie ist keine Hauptbaumart, es werden 2 Prozent angestrebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hauptbaumart im hiesigen Wald ist und bleibt die Buche, gefolgt von der Eiche, die derzeit 25 Prozent des Bestandes ausmacht und weiter erh\u00f6ht werden soll. Hier plant der Forst typischerweise schon von jeher sehr langfristig, unabh\u00e4ngig vom bestehenden Klimawandel: Die Forstwirtschaft ist ein Generationenvertrag. Buchen m\u00fcssen \u00fcbrigens nicht nachgepflanzt werden, der Buchenbestand regelt sich durch nat\u00fcrliche Verj\u00fcngung von selbst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1294\" aria-describedby=\"caption-attachment-1294\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1294 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_05_BB-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"707\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_05_BB-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_05_BB-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1294\" class=\"wp-caption-text\">Winfried Seitz freut sich \u00fcber die \u00fcppige Naturverj\u00fcngung<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Eschen und Ahorne sind nach wie vor im Wald anzutreffen, wenn auch die Esche mit dem Eschentriebsterben und der Ahorn neuerdings mit dem Ahornsterben, genauer mit der Ru\u00dfrindenkrankheit zu k\u00e4mpfen hat, beides ausgel\u00f6st durch pilzliche Schaderreger. Die Sporen der Ru\u00dfrindenkrankheit sollen zudem krebserregend sein. Auch eine Walnuss kann forstwirtschaftlich interessant sein, allerdings erst ab einem astfreien Stammdurchmesser von 50 Zentimetern aufw\u00e4rts. Die Kiefer ist eine Lichtbaumart und vertr\u00e4gt sich daher weniger mit der Buche, die sie zu \u00fcberschatten droht. Daf\u00fcr hat sich im Buchenbestand eine Zitterpappel verirrt, und auch eine einzige Blutbuche leuchtet in Rot aus dem umgebenden Maiengr\u00fcn, beides Wilds\u00e4mlinge. Die L\u00e4rche wird, wo sie aufw\u00e4chst, gepflegt, aber nicht neu angebaut.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1297\" aria-describedby=\"caption-attachment-1297\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1297 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_08_BB-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"707\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_08_BB-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_08_BB-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1297\" class=\"wp-caption-text\">Die junge Blutbuche ist ein roter Farbtupfer im gr\u00fcnen Wald<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ulme ist nur selten im Wald zu finden und das Holz ist sehr gesucht. Der Schreiner bezeichnet das Ulmenholz als \u201eR\u00fcster\u201c. Bei der Waldbegehung konnte F\u00f6rster Winfried Seitz tats\u00e4chlich eine junge Ulme am Wegesrand zeigen; sofort bemerkten einige Fachwarte die starke Zwieselbildung in der Mittelkrone, die durch einen einzigen Schnitt noch gut h\u00e4tte vermieden werden k\u00f6nnen. \u201eDiese Ulme darf wachsen wie sie will, sie soll nicht geerntet werden\u201c, so die Antwort des Revierf\u00f6rsters.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1291\" aria-describedby=\"caption-attachment-1291\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1291 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_02_BB-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"707\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_02_BB-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_02_BB-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1291\" class=\"wp-caption-text\">Die junge Ulme als Zwiesel<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eiche ist sturmfest; haupts\u00e4chlich kommen Stiel- und Traubeneiche vor. W\u00e4hrend die Stieleiche besser mit feuchten Standorten zurechtkommt, ist die Traubeneiche eher ein Trockenspezialist. Beide Eichenarten bastardisieren auch, das hei\u00dft sie vermischen sich untereinander. Bei der Eiche sind regelm\u00e4\u00dfig zwei Triebzeitr\u00e4ume zu beobachten: Der Johannistrieb im Juni ist oft st\u00e4rker als der Fr\u00fchjahrstrieb. Eine Eiche mit 70 Zentimeter Stammdurchmesser in Brusth\u00f6he ist wirtschaftlich erntereif, ein Viertel der L\u00e4nge sollte idealerweise astfrei sein. Hierbei sorgen die umstehenden B\u00e4ume als Lichtkonkurrenten f\u00fcr die notwendige Wertastung. Eine h\u00e4ndische Astung mittels Stangens\u00e4ge oder Hochentaster w\u00fcrde h\u00f6chstens bis auf 7 Meter H\u00f6he hinaufreichen, die Natur sorgt hier f\u00fcr 8 Meter. Eichen werden im Forst maximal 500 Jahre alt, ab 200 Jahren beginnt die Kernf\u00e4ule im Stamm, 1000-j\u00e4hrige Eichen sind innen alle hohl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wurde auch auf die Gefahren des Waldes und in diesem Zusammenhang speziell auf die Verkehrssicherungspflicht eingegangen. Insbesondere die Gef\u00e4hrdung durch herabst\u00fcrzendes Totholz wurde thematisiert. Waldbesucher sind demnach stets auf eigene Gefahr unterwegs. So soll es zwei Tote gegeben haben, die von einem Eichenast erschlagen wurden, weil diese durch den Gl\u00e4nzenden Schillerporling (sic) gesch\u00e4digt war. Eine weitere Gefahr im Wald: Man k\u00f6nnte erschossen werden. Am Standort des Kleindenkmals \u201eH\u00f6rmannstein\u201c unweit des Kuppinger Sportplatzes soll in l\u00e4ngst vergangenen Tagen ein Wilderer erschossen worden sein, bis man in neuerer Zeit die verwitterte Inschrift \u201eHier ist erschossen worden Jak. M. H\u00f6rmann von Oeschelbr. A 1858\u201c entzifferte. Der zun\u00e4chst unerkannt gebliebene Hinweis auf \u201eOeschelbr\u201c ergab durch die \u00d6schelbronner Kirchenchronik die genaue Auskunft, dass der Betroffene durch einen Teilnehmer bei der Jagd unvorsichtigerweise erschossen wurde \u2013 ein Jagdunfall also.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Natur- und Artenschutz liegt dem Revierf\u00f6rster am Herzen. Mitten im Wald konnte ein Feuchtbiotop in Augenschein genommen werden, bei dessen Erstellung mit einem Bagger nachgeholfen wurde. Den Teichgrund bildet eine nat\u00fcrliche wasserundurchl\u00e4ssige Lehmschicht, und sehr zur Freude des F\u00f6rsters haben sich mittlerweile Bergmolch, Grasfrosch, Erdkr\u00f6te und Ringelnatter angesiedelt. Stehendes Totholz ist stets ein Biotop, es wird nicht entfernt und ist am Stamm mit einem Spechtsymbol gekennzeichnet. Flederm\u00e4use ziehen sich gern hinter die sich l\u00f6senden Rindenplatten zur\u00fcck. In einem als Waldrefugium ausgewiesenen St\u00fcck Wald mit 1 Hektar Fl\u00e4che ist der Schwarzspecht wieder heimisch geworden, daran eng gebunden kommt die Hohltaube vor, und auch die Dohle f\u00fchlt sich hier wohl. Entweder k\u00f6nnen Einzelb\u00e4ume, eine Habitatbaumgruppe, ein Waldrefugium oder ein Bannwald v\u00f6llig dem Schutz \u00fcberlassen werden, wo keinerlei Bewirtschaftung erfolgt. Hierf\u00fcr werden dem st\u00e4dtischen \u00d6kokonto 4 \u00d6kopunkte pro Quadratmeter gutgeschrieben, was f\u00fcr Herrenberg 40.000 Punkte allein aus diesem Waldrefugium ergibt, rechnet F\u00f6rster Winfried Seitz vor. Ein Bannwald hat eine Gr\u00f6\u00dfe von mindestens 50 Hektar.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1298\" aria-describedby=\"caption-attachment-1298\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1298 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_09_BB-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_09_BB-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_09_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_09_BB-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1298\" class=\"wp-caption-text\">Feuchtbiotop<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Waldkultur wurden junge Douglasien aufgepflanzt. Zuvor war die Fl\u00e4che mit Eschen bestanden, die aber aufgrund des fortschreitenden Eschentriebsterbens gerodet wurden. Die Douglasie ist klimatolerant, sie vertr\u00e4gt jedoch keine Staun\u00e4sse. Das Schutzrohr, die sogenannte Wuchsh\u00fclle, in welchem die junge Douglasie heranw\u00e4chst, dient vornehmlich als Fegeschutz gegen Rehb\u00f6cke, ein eventueller Verbiss ist hier das kleinere Problem. Junge Eichen und Tannen wachsen ohne sch\u00fctzenden Zaun heran, hier besteht ein gewisses Verbissrisiko. F\u00f6rster Winfried Seitz, selbst J\u00e4ger, hegt die Idee, das Wild so zu bejagen, dass keinerlei Schutz notwendig wird. \u00dcbrigens ist der gr\u00f6\u00dfte Baum Deutschlands eine Douglasie mit 66 Meter H\u00f6he, sie steht bei Freiburg.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1300\" aria-describedby=\"caption-attachment-1300\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1300 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_11_BB-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_11_BB-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_11_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/FWV_Wald_2019_11_BB-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1300\" class=\"wp-caption-text\">In der Douglasienkultur<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der R\u00fcckweg f\u00fchrte am Kuppinger Forsthaus vorbei, wo f\u00fcr Kinder und Sch\u00fcler immer wieder waldp\u00e4dagogische Veranstaltungen durchgef\u00fchrt werden. Dort stehen aus sicherheitsrelevanten Gr\u00fcnden keine Eschen in der N\u00e4he.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verabschiedung von Revierf\u00f6rster Winfried Seitz erfolgte mit viel Dank und einem Honigpr\u00e4sent. Er ist mit Herzblut in seinem Amt t\u00e4tig, was ihm durchg\u00e4ngig abzusp\u00fcren war. Ein gem\u00fctliches Beisammensein in der Sportgastst\u00e4tte \u201eUnter den Linden\u201c des TSV Kuppingen bei gutem Essen endete erst nach 22 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach diesem Motto hatte die Fachwartvereinigung im Rahmen ihres Jahresleitthemas zu einer am 17. Mai 2019 stattgefundenen Waldbegehung eingeladen. Der Herrenberger Revierf\u00f6rster Winfried Seitz konnte 20 am Thema interessierte Fachwarte im Kuppinger Wald begr\u00fc\u00dfen. 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