{"id":1387,"date":"2019-10-14T02:53:27","date_gmt":"2019-10-14T00:53:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachwarte.de\/?p=1387"},"modified":"2019-10-14T03:18:49","modified_gmt":"2019-10-14T01:18:49","slug":"gemueseanbau-fuer-selbstversorger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachwarte.de\/?p=1387","title":{"rendered":"Gem\u00fcseanbau f\u00fcr Selbstversorger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Auf den 18. September 2019 hatte der Landesverband f\u00fcr Obstbau, Garten und Landschaft Baden-W\u00fcrttemberg e.V. (LOGL) zu einer Fachwartfortbildung zum Thema Gem\u00fcseanbau f\u00fcr Selbstversorger eingeladen. Im Gel\u00e4nde der Staatsschule f\u00fcr Gartenbau auf dem Campus der Universit\u00e4t Stuttgart-Hohenheim konnte Sigrid Jetter, die LOGL-Regionenvertreterin von Stuttgart etwa 30 interessierte Fachwarte begr\u00fc\u00dfen. Dr. Michael Ernst f\u00fchrte durch die Anlagen, in denen Gartenbau-Meister und -Techniker ausgebildet werden, wenn auch leider immer weniger: Im Gem\u00fcsebau hat die Anzahl der Betriebe in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent abgenommen. Beim Gem\u00fcsebau werden die Schwerpunkte Freilandbau, Anbau unter Folie, Biodiversit\u00e4t sowie Zwischenbegr\u00fcnung verfolgt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1391\" aria-describedby=\"caption-attachment-1391\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1391 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_02_BB-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_02_BB-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_02_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_02_BB-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1391\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Michael Ernst (links) stellt die Zwischenbegr\u00fcnung vor<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Zwischenbegr\u00fcnung und D\u00fcngung<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Zwischenbegr\u00fcnung werden f\u00fcnf verschiedene Begr\u00fcnungen getestet, beispielsweise Monokulturen mit Sonnenblumen oder Studentenblumen (<em>Tagetes<\/em>). Es gibt auch Mischkulturen, wobei die Saatgutmischungen hierf\u00fcr fertig geliefert werden. Eine stark unterschiedliche W\u00fcchsigkeit der Mischpflanzen macht viel Arbeit. Zwischen den Pflanzen einzelner Saatgutmischungen kann es auch zu Wurzelunvertr\u00e4glichkeiten kommen, diese sind jedoch nicht nachweisbar. Eine Zwischenbegr\u00fcnung soll in Zeiten, in denen keine Gem\u00fcsepflanzen angebaut werden, den Boden beschatten, ein g\u00fcnstiges Kleinklima schaffen und Unkraut vermeiden helfen. Auch soll die Zwischenbegr\u00fcnung m\u00f6glichst lange stehen bleiben, damit die Pflanzen aussamen k\u00f6nnen. Hierbei muss beachtet werden, dass keine Kreuzbl\u00fctler (<em>Brassica<\/em>-Arten) wie zum Beispiel Raps oder Radieschen zum Einsatz kommen, wenn danach Kohlarten angebaut werden sollen. Damit soll der Pflanzenkrankheit Kohlhernie vorgebeugt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Zwischenbegr\u00fcnung ist nicht dasselbe wie eine D\u00fcngung, hierf\u00fcr werden vorwiegend H\u00fclsenfr\u00fcchtler (<em>Leguminosen<\/em>) als Gr\u00fcnd\u00fcngungspflanzen verwendet. Diese Pflanzen sind in der Lage, Stickstoff sowohl aus der Luft zu binden als auch aus tieferen Bodenschichten zu fangen und nach oben in den Feinwurzelbereich zu bringen, weshalb sie auch als \u201eCatch Crops\u201c bezeichnet werden. Hier kommen unter anderem Lupinen und Erbsen mit ihren tiefreichenden Wurzeln in Betracht. Auch Klee bildet eine kr\u00e4ftige Pfahlwurzel aus. Das industrielle Binden von Luftstickstoff ist aufw\u00e4ndig und teuer, weshalb mithilfe der Kn\u00f6llchenbakterien an den Wurzeln der Leguminosen eine g\u00fcnstige biologische Alternative zur Stickstoff-Fixierung zur Verf\u00fcgung steht. Bestens zur Gr\u00fcnd\u00fcngung geeignet ist die <em>Phacelia<\/em>, die sehr empfohlen wird, zumal sie mit keiner anderen Gem\u00fcsepflanze verwandt ist und es daher keinesfalls zu Unvertr\u00e4glichkeiten kommt. NPK-Kombid\u00fcnger, beispielsweise \u201eBlaukorn\u201c, werden nur im Zierpflanzenbau angewandt und nicht im Gem\u00fcsebau, dort wird \u00fcblicherweise nur mit Stickstoff (N) gearbeitet. Allgemein soll bei der D\u00fcngung das Mengenkonzept vorherrschen: Viel Sonne bedeutet viel Wasser, aber nur wenig D\u00fcnger. \u00dcbrigens: Sollte Wei\u00dfklee im Rasen wachsen, bedeutet dies, dass der Rasen nie ged\u00fcngt wurde.<\/p>\n<h4>Sch\u00e4dlinge<\/h4>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Gegen sch\u00e4dliche Nematoden wird eine mindestens viergliedrige Fruchtfolge empfohlen, hier ist auch der Anbau von B\u00fcschelsch\u00f6n (<em>Phacelia<\/em>) hilfreich. Auch mit <em>Tagetes<\/em> werden erfolgreich sch\u00e4dliche Nematoden bek\u00e4mpft, hier wirkt sie mit ihrer Wurzelausscheidung als eine \u201eFeindpflanze\u201c.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Allerdings zieht <em>Tagetes<\/em> Schnecken magisch an und ist so f\u00fcr Schnecken eine \u201eFangpflanze\u201c.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Gegen Maulwurfsgrillen (Werren) hilft: Unbedingt Gr\u00e4ser meiden, und die Tiere mit Kartoffelscheiben k\u00f6dern und absammeln.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Auch Drahtw\u00fcrmer, das sind die gefr\u00e4\u00dfigen Larven der Schnellk\u00e4fer, werden auf diese Weise gek\u00f6dert.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Der Erdfloh, ein kleiner K\u00e4fer, mag es gern trocken, weshalb gegen ihn vor allem ein Feuchthalten des Bodens empfohlen werden kann. Wird ein Gem\u00fcsevlies eingesetzt, soll dieses m\u00f6glichst leicht sein, um die Unterkultur nicht zu erdr\u00fccken. In der Staatsschule f\u00fcr Gartenbau hat sich ein Vlies mit einer Grammatur von 17 Gramm pro Quadratmeter bestens bew\u00e4hrt.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die Wei\u00dfe Fliege, eine Mottenschildlaus, kann allerdings insbesondere unter Gem\u00fcsevlies gro\u00dfe Kolonien bilden. Grund daf\u00fcr ist der Schutz des Netzes selbst: Die N\u00fctzlinge werden abgehalten und kommen so nicht an die Sch\u00e4dlinge heran.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Gegen Schadinsekten sollen N\u00fctzlinge eingesetzt werden. F\u00fcr eine gezielte N\u00fctzlingsf\u00f6rderung werden Getreideblattl\u00e4use eingesetzt, die nur an Getreide und Gr\u00e4sern saugen und keine Gem\u00fcsesch\u00e4dlinge sind.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Karotten<\/h4>\n<figure id=\"attachment_1395\" aria-describedby=\"caption-attachment-1395\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1395 size-medium\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_06_BB-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_06_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_06_BB-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_06_BB-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1395\" class=\"wp-caption-text\">Nicht nur bei Tomaten, auch bei Karotten gibt es eine Sorte \u201eOchsenherz\u201c<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Karotten ben\u00f6tigen einen lockeren Boden und werden in einer Dammkultur herangezogen. Es sind viele Sorten in der Testung, auch alte, bereits seit Jahren bew\u00e4hrte Sorten, werden miteinander verglichen. Zun\u00e4chst werden die D\u00e4mme angelegt und daraufhin mindestens eine Woche abgewartet. Das zwischenzeitlich aufgelaufene Unkraut wird entfernt, erst danach erfolgt die Einsaat. Es findet keine weitere Bodenbearbeitung statt. Darauf geachtet werden muss, die Dammkrone nicht austrocknen zu lassen. Bis zur Einwurzelung soll von oben gegossen werden. Danach werden die Wassergaben sparsam dosiert, die Pflanzen sollen mit ihrer Pfahlwurzel in die Tiefe wachsen und dort nach Wasser suchen. Es reichen dann 20 Liter pro Quadratmeter. Zur Frage des besten Gie\u00dfzeitpunkts, ob morgens oder besser abends, wird empfohlen, es sollte bevorzugt morgens gegossen werden, die Kulturen sollen bis sp\u00e4testens um 11 Uhr wieder trocken sein. Pilzhyphen ben\u00f6tigen vier Stunden anhaltender Feuchte, damit sie ins Blatt einwachsen k\u00f6nnen. Beim abendlichen Gie\u00dfen gehen die Pflanzen feucht in die Nacht, damit haben eventuelle Pilzsporen leichtes Spiel. Auch sollten Karotten nach der Ernte nicht gewaschen werden, sondern erst zum Zeitpunkt, wenn sie k\u00fcchenfertig zubereitet werden. Karotten schossen durch einen K\u00e4ltereiz im Fr\u00fchjahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Definition von Unkraut war zu erfahren: Dies sind generell unerw\u00fcnschte Pflanzen, die dort, wo sie wachsen, nicht geduldet werden k\u00f6nnen. So wird eine Mohnblume in einem Kohlfeld zum unerw\u00fcnschten Unkraut. Es kann Unkraut aber auch eine Kulturpflanze sein: Beim Ausd\u00fcnnen jeder zweiten Pflanze in den Karottenreihen sind diese \u00fcberz\u00e4hligen Karotten das \u201eUnkraut\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1398\" aria-describedby=\"caption-attachment-1398\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1398 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_09_BB-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_09_BB-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_09_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_09_BB-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1398\" class=\"wp-caption-text\">Gem\u00fcse-Dauerkultur: Artischocken<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Besondere beim besichtigten Kartoffelfeld ist, dass die Pflanzen nicht aus Knollen, sondern s\u00e4mtlich aus Stecklingen gezogen wurden. Hier kommt eine Sorte der Saatgutfirma Kiepenkerl zum Einsatz, die tolerant gegen\u00fcber Krautf\u00e4ule sein soll. Der Bestand steht nun im zweiten Jahr, die Kartoffeln werden mehlig. An der Schule selbst wird \u00fcbrigens keine Sortenz\u00fcchtung betrieben, sondern nur Testung, Vergleich und Bonitur von Pflanzmaterial, das von unterschiedlichen Z\u00fcchtern bereitgestellt wird. Eine staatliche Z\u00fcchtung gibt es nur im Obst- und Weinbau sowie im Forst, den Rest machen Wirtschaftsbetriebe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mangold ist eigentlich eine zweij\u00e4hrige Pflanze, h\u00e4ufig wird allerdings angenommen, dass sie bei uns den Winter nicht \u00fcbersteht und daher oft einj\u00e4hrig gezogen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenbei bemerkt: Der Name der Roten Bete (<em>Beta vulgaris subsp. vulgaris<\/em>) r\u00fchrt nicht etwa von \u201eBeet\u201c her, obwohl die falsche Schreibweise Rote Beete oft angetroffen werden kann, sondern vom botanischen Gattungsnamen <em>Beta<\/em> f\u00fcr die R\u00fcbengew\u00e4chse, den der Naturforscher Carl von Linn\u00e9 einf\u00fchrte.<\/p>\n<h4>Tomate<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Gem\u00fcsepflanzen sind heute veredelt. So wird die Aubergine auf Tomate veredelt, die Gurke auf K\u00fcrbis. Eine veredelte Tomate hat im Vergleich zur nicht veredelten Variante nicht \u201emehr\u201c Fr\u00fcchte, sondern um 60 Prozent gr\u00f6\u00dfere. Tomaten sollten wegen des Geschmacks am besten nur in Rotreife geerntet werden. Gr\u00fcn geerntete Tomaten werden zwar im Lager noch rot, der Geschmack nimmt allerdings nicht zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1406 size-medium alignleft\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_17_BB-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_17_BB-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_17_BB-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Ansicht von Dr. Michael Ernst besitzt die Tomate eigentlich gar keinen Geschmack. Das, was der Konsument als \u201eGeschmack\u201c bezeichnet, ist in Wirklichkeit nur das individuell wahrgenommene Verh\u00e4ltnis von Zucker und S\u00e4ure der Frucht. Auch f\u00fcr den Duft gibt es in der deutschen Sprache keine Adjektive. Der f\u00fcr den Verbraucher typische Duft einer Tomate steckt nicht in der Frucht, sondern in den gr\u00fcnen Teilen der Tomatenpflanze, und dort insbesondere in den feinen H\u00e4rchen, die sich am St\u00e4ngel, auf den Bl\u00e4ttern und auch auf den Rispen befinden und die bei leichtester Ber\u00fchrung abbrechen und den Duft freigeben. Insofern sind die vermarkteten Rispentomaten eine Erfindung und Taktik der Tomatenz\u00fcchter und -h\u00e4ndler, die damit bewirken, dass der Kunde beim Kauf solcher Tomaten nach der Rispe greift und sofort den typischen intensiven Tomatenduft wahrnimmt. Eine Tomate besteht zu \u00fcber 90 Prozent aus Wasser, und nach Dr. Ernst gibt es scherzhafterweise vier Aggregatszust\u00e4nde des Wassers: \u201eGefrorenes Wasser, fl\u00fcssiges Wasser, Wasserdampf und holl\u00e4ndische Tomate.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wird empfohlen, sieben Wochen vor Saisonende die Spitze der Pflanze abzubrechen, damit sie nicht mehr weiterw\u00e4chst, keine neuen Bl\u00fcten mehr anlegt und ihre Kraft in die vorhandenen Fr\u00fcchte steckt. Ged\u00fcngt wird bis drei Wochen vor der Ernte. Entbl\u00e4ttert wird bis zum untersten Fruchtansatz. Der Effekt, dass ein Wassertropfen auf einem Blatt im Sonnenlicht wie ein Brennglas wirkt, stimmt nicht: Bei Verdunstung des Wassers nimmt die D\u00fcngerkonzentration zu, was zu Verbrennungen am Blatt f\u00fchrt. Sollten Tomatenfr\u00fcchte an der Spitze schwarz werden, wie dies h\u00e4ufig bei Roma-Tomaten der Fall ist, liegt ein physiologischer Kalziummangel vor. Eine Fruchtausd\u00fcnnung w\u00e4re denkbar, die Fr\u00fcchte haben jedoch keinen Geschmack. Bei Kalzium gibt es keine R\u00fcckverlagerung vom Blatt in die Frucht. Ein vergleichbarer Effekt ist die Stippe beim Apfel.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1404\" aria-describedby=\"caption-attachment-1404\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1404 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_15_BB-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_15_BB-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_15_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_15_BB-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1404\" class=\"wp-caption-text\">Tomaten-\u201eUrwald\u201c im Folienhaus<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Staatsschule werden die Tomaten im Folienhaus kultiviert. Die einzelnen Pflanzen sind an einer Schnur hochgebunden, die allerdings etwa 20 Meter lang und oben am Spanndraht auf einer Haspel aufgewickelt ist. Sobald eine Tomatenpflanze den Spanndraht erreicht, wird die Schnur etwas abgewickelt, die Pflanze kommt dadurch nach unten und kann erneut hochwachsen. So k\u00f6nnen im Verlauf einer Saison bis zu 20 Meter lange St\u00e4ngel entstehen, die auf dem Boden in einem immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Bogen zu liegen kommen. In der Toskana werden die Tomaten h\u00e4ufig nicht hochgebunden, sondern am Boden kriechend gezogen. Diese terminierten Sorten dienen der Ketchupproduktion, die Fr\u00fcchte werden alle gleichzeitig geerntet, sie sind hart und damit gut stapelbar, transportf\u00e4hig und werden nicht matschig. Es gibt sie bei uns auch als Balkontomaten, sie zeichnen sich durch einen hohen Trockenmasseanteil aus und beinhalten wenig Gallerte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1409\" aria-describedby=\"caption-attachment-1409\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1409 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_20_BB-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_20_BB-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_20_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_20_BB-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1409\" class=\"wp-caption-text\">Die Aubergine wird 3-triebig erzogen, die Mittenknospe ausgebrochen<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Paprika<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Paprika ben\u00f6tigt von der Aussaat bis zur ersten Beerntung etwa 80 Tage. Sehr wichtig bei Paprika ist, dass die allererste Bl\u00fcte, die sich bildet, die sogenannte K\u00f6nigsbl\u00fcte, ausgebrochen wird, weil sonst durch Apikaldominanz verhindert wird, dass sich Seitenverzweigungen mit weiteren Bl\u00fcten bilden. Auch sollte die erste Ernte bei noch gr\u00fcnen Fr\u00fcchten erfolgen; dies dient nicht nur zur Entlastung, sondern verhilft auch zu einer besseren Neubl\u00fctenbildung, die sich nur bei geringem Fruchtbehang einstellt. Der Paprika ist ein w\u00e4rmeliebendes Nachtschattengew\u00e4chs. Er ben\u00f6tigt praktisch w\u00e4hrend der gesamten Kulturzeit st\u00e4ndig \u00fcber 16 \u00b0C. Unterhalb dieser Temperatur treten die ersten Wachstumsstockungen auf, die als K\u00e4ltesch\u00e4den aufgefasst werden k\u00f6nnen, wobei K\u00e4ltesch\u00e4den nicht dasselbe wie Frostsch\u00e4den sind. Viele tropische Pflanzen gehen bereits bei niedrigen Plusgraden kaputt, weil die Fette der Zellmembranen zun\u00e4chst gelartig und dann fest werden. Als Beispiele seien genannt: Im K\u00fchlschrank wird Palm\u00f6l fest, eine Banane wird schwarz.<\/p>\n<h4>Kai-lan<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema \u201eBesonderheiten bei Gem\u00fcse\u201c wird auf einem Freilandversuchsfeld Kai-lan angebaut, um der Frage nachzugehen, ob diese Gem\u00fcseart f\u00fcr den professionellen Anbau geeignet ist. Kai-lan, auch Chinesischer Brokkoli (<em>Brassica oleracea var. alboglabra<\/em>) genannt, ist eine Zuchtform des Gem\u00fcsekohls. Die angebaute Nummernsorte \u201eCC2106\u201c ist eine F1-Hybride, sie wurde Mitte August anges\u00e4t und drei Wochen sp\u00e4ter im F\u00fcnfblattstadium aufgepflanzt. Geerntet und verwertet wird die gesamte Pflanze im Stadium der noch nicht aufgebl\u00fchten Knospen bzw. der Bl\u00fcten mitsamt des dickfleischigen St\u00e4ngels und der zarten Bl\u00e4tter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1400\" aria-describedby=\"caption-attachment-1400\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1400 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_11_BB-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_11_BB-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_11_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_11_BB-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1400\" class=\"wp-caption-text\">Kai-lan: Die St\u00e4ngel schmecken knackig wie Kohlrabi, die Bl\u00e4tter wie feiner Spitzkohl und die Bl\u00fcten wie Brokkoli<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die am Feld aufgestellte Hinweistafel bietet f\u00fcr die bei uns noch weitgehend unbekannte Gem\u00fcseart folgenden Rezeptvorschlag: \u201eBlanchieren Sie die Stiele drei bis vier Minuten lang, bis sie weich sind. Braten Sie sie dann mit \u00d6l an, das mit Knoblauch, Austern- oder Sojasauce und einer Prise Zucker aromatisiert ist. F\u00fcgen Sie die Bl\u00e4tter und Bl\u00fcten f\u00fcr die letzten paar Minuten hinzu.\u201c<\/p>\n<h4>Pepino<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Besonderheit ist der versuchsweise Anbau von Pepino im extensiven Folienhaus. Hier lautet die wissenschaftliche Frage: Welche Ertr\u00e4ge lassen sich bei Anbau im unbeheizten Folienhaus nach franz\u00f6sischem System realisieren? Pepino, auch Melonenbirne (<em>Solanum muricatum<\/em>) genannt, ist ein Nachtschattengew\u00e4chs aus den s\u00fcdamerikanischen Anden. Die Versuchssorte \u201eCopa\u201c wurde Mitte April in T\u00f6pfen anges\u00e4t und drei Wochen sp\u00e4ter im Foliengew\u00e4chshaus aufgepflanzt. Hierbei wird das Ertragsverhalten dreier unterschiedlicher Pflanzdichten untersucht: Einreihig mit 100 Zentimeter Abstand entsprechend 0,8 Pflanzen pro Quadratmeter, einreihig mit 50 Zentimeter Abstand entsprechend 1,6 Pflanzen pro Quadratmeter sowie zweireihig mit 60 \u00d7 100 Zentimeter entsprechend 1,6 Pflanzen pro Quadratmeter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1401\" aria-describedby=\"caption-attachment-1401\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1401 size-large\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_12_BB-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_12_BB-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_12_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_12_BB-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1401\" class=\"wp-caption-text\">Im Pepino-Folienhaus. Dr. Michael Ernst (rechts): \u201eDie Pepino schmeckt interessant. Aber man muss sie nicht haben.\u201c<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens werden die Fr\u00fcchte nicht zum Verkauf angeboten. Es ist geplant, dass sie im kommenden Jahr zur Messe \u201eInternationale Gr\u00fcne Woche\u201c in Berlin von schw\u00e4bischen K\u00f6chen unter dem Motto \u201eSchmeck den S\u00fcden\u201c zu einem Chutney verarbeitet und zur Verkostung angeboten werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gem\u00fcse-Selbstversorger sollte sich stets vor Augen halten, dass Gem\u00fcse, das im eigenen Garten produziert wird, letzten Endes nicht billiger ist als das aus dem Ladengesch\u00e4ft, auch wenn man die aufgewendete Zeit nicht als Arbeitszeit verrechnet. Zudem wird w\u00e4hrend der Reifeperiode oftmals so viel Gem\u00fcse gleichzeitig reif, dass man mit dem Verbrauch nicht mehr hinterherkommt. Die Folge davon ist zwangsl\u00e4ufig, dass haupts\u00e4chlich nur noch die Ware verbraucht wird, die dringend weg muss, um sie vor einem drohenden Verderb zu retten. \u201eSo wird Heimgem\u00fcse zu Edelkompost.\u201c<\/p>\n<h4>Res\u00fcmee<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-1402 size-medium\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_13_BB-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_13_BB-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_13_BB-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Gem\u00fcsebau_2019_13_BB-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Die Veranstaltung bot einen hochinteressanten Einblick in die Gem\u00fcsekulturen der Staatsschule, gepaart mit einigen erhellenden Lehrstunden zum Thema Gem\u00fcsebau. Nicht alle behandelten Gem\u00fcsesorten konnten hier aufgef\u00fchrt werden, und etliche Antworten auf Forschungsfragen sind noch offen. Dennoch hat der Referent Dr. Michael Ernst mit seinen Ausf\u00fchrungen, dem Selbstversorger wertvolle Tipps zum erfolgreichen Gem\u00fcsebau mitzugeben, sein Ziel voll erreicht. Die Ausblicke f\u00fcr eine Zukunft erm\u00f6glichen die Erschlie\u00dfung weiterer Felder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den 18. September 2019 hatte der Landesverband f\u00fcr Obstbau, Garten und Landschaft Baden-W\u00fcrttemberg e.V. (LOGL) zu einer Fachwartfortbildung zum Thema Gem\u00fcseanbau f\u00fcr Selbstversorger eingeladen. Im Gel\u00e4nde der Staatsschule f\u00fcr Gartenbau auf dem Campus der Universit\u00e4t Stuttgart-Hohenheim konnte Sigrid Jetter, <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/?p=1387\"><span class=\"screen-reader-text\">  Gem\u00fcseanbau f\u00fcr Selbstversorger<\/span> weiterlesen<span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":1405,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4,8],"tags":[40,41,42],"class_list":["post-1387","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-fachwartausbildung","category-veranstaltungen","tag-gemuese","tag-gemuesebau","tag-hohenheim"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1387"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1416,"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1387\/revisions\/1416"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1405"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachwarte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}