{"id":839,"date":"2018-09-22T15:20:01","date_gmt":"2018-09-22T13:20:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachwarte.de\/?p=839"},"modified":"2018-12-05T00:47:00","modified_gmt":"2018-12-04T23:47:00","slug":"begehung-beerenversuch-heuchlingen-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachwarte.de\/?p=839","title":{"rendered":"Begehung Beerenversuch Heuchlingen 2018"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine interessierte Gruppe von Fachwarten ist der Einladung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt f\u00fcr Wein- und Obstbau LVWO Weinsberg am 16.\u00a0Juni 2018 gefolgt. Herr Burghard Hein, seit 2003 Betriebsleiter des Obstbauversuchsguts Heuchlingen, begr\u00fc\u00dfte die Teilnehmer mit einer Kirschen- und Himbeer-Probe. Die Au\u00dfenstelle Heuchlingen der LVWO Weinsberg besteht seit 1953, sie umfasst 34\u00a0Hektar Obstbaufl\u00e4che, und \u00fcber 1000\u00a0Sorten Obst wurden bislang hier getestet.<\/strong> Es werden Versuche und Sortensichtungen durchgef\u00fchrt, bei Kernobst insbesondere zur Schorfresistenz. Aber auch eine Kernobstz\u00fcchtung findet hier statt: Beim Apfel wurde die neue &#8222;Summer&#8220;-Linie mit beispielsweise &#8222;Summercrisp&#8220;, &#8222;Summerflame&#8220; und &#8222;Summerbreak&#8220; von Dr.\u00a0Franz Ruess generiert. Auch der neue Apfel &#8222;Barbarossa&#8220; ist eine Sortenz\u00fcchtung von Dr.\u00a0Ruess.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Fachwart-Logo.BB_.1200.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-346 size-full\" src=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Fachwart-Logo.BB_.1200.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"345\" srcset=\"https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Fachwart-Logo.BB_.1200.jpg 1200w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Fachwart-Logo.BB_.1200-300x86.jpg 300w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Fachwart-Logo.BB_.1200-768x221.jpg 768w, https:\/\/www.fachwarte.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Fachwart-Logo.BB_.1200-1024x294.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Weg durch das weitl\u00e4ufige Gel\u00e4nde f\u00fchrt durch eine Birnenanlage, und ganz nebenbei war zu erfahren, dass hier der Ohrwurm als N\u00fctzling gegen den Birnblattsauger eingesetzt wird. Es wurde auch darauf hingewiesen, den Ohrwurm nicht in Pfirsichkulturen einzusetzen, weil er gerne die Fr\u00fcchte annagt. Die Birnb\u00e4ume selbst sind zwischenzeitlich zur Rodung freigegeben; der Platz ist f\u00fcr einen Teich mit 18.000\u00a0Kubikmeter Volumen vorgesehen. F\u00fcr eine Frostschutzberegnung der Kulturen werden 400\u00a0Kubikmeter Wasser pro Stunde ben\u00f6tigt, das Volumen des Teiches reicht so f\u00fcr drei N\u00e4chte, wenn er nicht ganz leer gepumpt werden soll. Die j\u00e4hrliche Niederschlagsmenge in Heuchlingen betr\u00e4gt durchschnittlich 600\u00a0Millimeter. Heuchlingen hatte im Jahre 2017 im Kernobst einen frostbedingten Ertragsausfall von 95\u00a0Prozent zu verkraften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Erdbeerquartier befinden sich etwa 40\u00a0Sorten, teilweise auch Nummernsorten noch ohne Sortennamen oder Handelsbezeichnung. Die Erdbeeren werden hier nur einj\u00e4hrig kultiviert, daher wird auch nur der Ertrag des ersten Jahres gepr\u00fcft. Ansonsten w\u00e4re eine zweij\u00e4hrige Bonitur sinnvoll. Bei noch l\u00e4ngerer Kultur nimmt die Fruchtqualit\u00e4t extrem ab und wird unwirtschaftlich. Wichtig ist der stetige Standortwechsel, weil die Dauersporen der Verticillium-Welke \u2013\u00a0eine pilzliche Krankheit\u00a0\u2013 bis zu 20\u00a0Jahre im Boden aktiv bleiben. Erdbeer-Ableger m\u00fcssen rechtzeitig gewonnen und bis Mitte August verpflanzt worden sein, oder man verwendet wahlweise Frigopflanzen (Terminkultur). Die Bl\u00fcteninduktion bei Erdbeeren findet im September statt. Es gibt kaum Erdbeerz\u00fcchter in Deutschland, eher finden sie sich in den Niederlanden, Gro\u00dfbritannien und Italien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Tafeltrauben liegen die kernarmen Sorten im Blickpunkt des Verbrauchers, weshalb sie hier getestet werden. In Deutschland werden keine kernlosen Sorten angebaut, weil die Beeren aufgrund fehlender W\u00e4rme nicht gro\u00df genug werden. Je gr\u00f6\u00dfer die Frucht desto mehr Kerne enth\u00e4lt sie, war zu erfahren. Die kernarme Sorte &#8222;Palatina&#8220; fand Erw\u00e4hnung, auch eine neue wei\u00dfe Sorte &#8222;Mog&#8220; ist derzeit in Testung und k\u00f6nnte sich etablieren, sie ist allerdings etwas frostempfindlich. F\u00fcr Neuheiten in der Tafeltraubenz\u00fcchtung wurde die Baumschule Wolf&#8217;s Reben in Bad D\u00fcrkheim\/Pfalz empfohlen, sie ist auch ein ansprechendes Ausflugsziel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kleinfr\u00fcchtigen Kiwisorten, sogenannte Kiwibeeren, werden nicht gesch\u00e4lt, sondern mit der Haut verzehrt. Hier werden sie unreif geerntet, um einem eventuellen Befall der Kirschessigfliege vorzubeugen. Auch sonst ist keinerlei Pflanzenschutz n\u00f6tig. Unter anderem sind derzeit Sorten wie &#8222;Maya&#8220;, &#8222;Anna&#8220;, &#8222;Geneva&#8220;, &#8222;Molly&#8220; oder &#8222;Super-Jumbo&#8220; in der Testung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heidelbeeren werden seit 2001 in Heuchlingen untersucht. Damals wurden Gr\u00e4ben ausgehoben und diese mit insgesamt 300\u00a0Kubikmeter S\u00e4gemehl gef\u00fcllt, um einen sauren Boden mit einem pH-Wert von etwa pH\u00a04 zu erhalten. Wie zu erfahren war, ist S\u00e4gemehl allerdings zwischenzeitlich sehr teuer geworden: Es wird heute von der Industrie meist zu Pellets verarbeitet und hochpreisig verkauft. F\u00fcr den Hausgarten eignet sich bestens die Heidelbeer-Kultur im gro\u00dfr\u00e4umigen K\u00fcbel, auch sollte nur mit Regenwasser gegossen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Roten Johannisbeeren scheint die Sorte &#8222;Rovada&#8220; nach wie vor unangefochtener Favorit zu sein. Mit ihren langen Trauben reift sie etwa vier Wochen nach der bew\u00e4hrten Fr\u00fchsorte &#8222;Jonkheer van Tets&#8220; und erm\u00f6glicht so ein weites Erntefenster. Im Erwerbsobstbau schafft ein professioneller Pfl\u00fccker etwa 10\u00a0Kilogramm pro Stunde, 1\u00a0Kilogramm Johannisbeeren d\u00fcrften etwa 10\u00a0Euro einbringen. Als Anbausystem wird die Dreiasthecke empfohlen. Diese ben\u00f6tigt allerdings viel Wasser und auch reichlich D\u00fcnger, der durchaus stickstoffbetont sein darf.\u00a0\u2013 Auch Schwarze Johannisbeeren werden angebaut, hierbei werden vor allem die Farbwerte sowie der Vitamin-C-Gehalt gepr\u00fcft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stachelbeeren sind ein Nischenprodukt und nur selten auf Wochenm\u00e4rkten zu finden. Die Sorte &#8222;Xenia&#8220; ist ein Massentr\u00e4ger. Es gibt gr\u00fcne und rote Beerensorten, wobei die roten f\u00fcr den Handel interessanter sind. Bei Stachelbeeren ist f\u00fcr einen lockeren und gut durchl\u00fcfteten Boden zu sorgen, weshalb hier Lavagranulat in das Substrat eingearbeitet wird, was auch f\u00fcr den Hausgarten empfehlenswert ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Himbeeren sieht es dieses Jahr generell d\u00fcrftig aus. Haupts\u00e4chlich wird eine Sortimentstestung durchgef\u00fchrt; ein gro\u00dfer Umtrieb ist festzustellen: Es gibt ein viel zu gro\u00dfes Sortenangebot, was nichts taugt fliegt sofort wieder raus. Die Sorten &#8222;Glen Ample&#8220; und &#8222;Glen Fyne&#8220; stehen unter Glas, die fruchtbaren Seitentriebe werden durch Netze gest\u00fctzt. Ein Nachpflanzen von Himbeeren darf nicht an gleicher Stelle erfolgen. Heuchlingen betreibt eine eigene Long-Cane-Z\u00fcchtung, und speziell f\u00fcr die Unterbringung im K\u00fchlhaus werden schmale hohe Anzuchtt\u00f6pfe verwendet.\u00a0\u2013 Brombeeren hingegen stehen unter Glas und im Freiland, Massentr\u00e4ger ist die dornenlose Sorte &#8222;Loch Ness&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Abschlu\u00df wurde ein Blick in das K\u00fchllager mit seinen 400\u00a0Tonnen Kapazit\u00e4t gew\u00e4hrt und eine gut gek\u00fchlte alkoholfreie Apfel-Kirsch-Perle serviert. Das anschlie\u00dfende gemeinsame Mittagessen auf der Panoramaterrasse des Gasthofes Sch\u00f6ne Aussicht in Jagstfeld mit Blick auf den Neckar bot M\u00f6glichkeit zum Austausch \u00fcber das Erlebte und rundete die Veranstaltung perfekt ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine interessierte Gruppe von Fachwarten ist der Einladung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt f\u00fcr Wein- und Obstbau LVWO Weinsberg am 16.\u00a0Juni 2018 gefolgt. 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