Von der Wurzel her die Zukunft des Streuobsts denken

Im Vorfeld der diesjährigen Mitgliederversammlung durfte die Fachwartvereinigung einen spannenden Gast begrüßen: Christoph Schulz von der Arbeitsgemeinschaft Wurzel des Pomologen-Vereins referierte zum Thema
„Von der Wurzel her die Zukunft des Streuobsts denken“.
Schnell wurde deutlich: Wer über die Zukunft unserer Streuobstwiesen spricht, muss nicht nur auf die Krone schauen – sondern vor allem auf das, was darunter liegt.

Im Mittelpunkt standen Fragen, die viele aktuell bewegen: Wie können Streuobstwiesen klimaresilient werden? 
Welche Anzucht- und Pflanzkonzepte brauchen wir künftig? Welche Rolle spielen alternative Unterlagen, bzw. wurzelechte Bäume? Und was lässt sich vom Forst lernen?

Christoph Schulz warb dafür, traditionelle Denkweisen zu erweitern.
Angesichts zunehmender Trockenphasen, Hitzeperioden und veränderter Standortbedingungen müsse auch im Streuobstbau neu gedacht werden.
Dabei rücken insbesondere starkwüchsige, anpassungsfähige Wurzelsysteme und robuste Jungbaummethoden stärker in den Fokus. Die AG Wurzel beschäftigt sich genau mit diesen Fragen und forscht an klimaangepassten Unterlagen sowie neuen Anzuchtverfahren.
Ein besonderer Schwerpunkt des Vortrags lag auf den sogenannten Methusalembäumen
Gemeint sind sehr alte Obstbäume – oft deutlich über 100 Jahre alt –, die bis heute vital, ertragreich und widerstandsfähig geblieben sind. Solche Bäume seien gewissermaßen „evolutionär geprüft“: Sie haben Jahrzehnte mit Frost, Trockenheit, Krankheiten und wechselnden Witterungen überstanden. Häufig handelt es sich zudem um regionale Sorten mit hoher Anpassungsfähigkeit. Gerade diese Altbäume könnten wertvolle Hinweise für die Auswahl zukünftiger Unterlagen und robuster Streuobstbäume liefern.
Ebenso spannend war der Blick in den Wald: Dort setzt man seit Langem auf standortgerechte Artenwahl, genetische Vielfalt und natürliche Entwicklung. Ansätze, die sich – so Schulz – auch auf moderne Streuobstsysteme übertragen lassen.

Der Vortrag bot viele Denkanstöße und machte Mut: Die Zukunft des Streuobsts liegt nicht allein im Erhalt des Bestehenden, sondern auch im klugen Weiterentwickeln bewährter Systeme.
Oder anders gesagt: Wer starke Bäume will, muss bei den Wurzeln anfangen.

Über Farin Kariko

Beisitzer der Fachwartvereinigung e.V.