Bislang unbekannte Krankheit an Birne

Blattsymptome der Krankheit

Ein Birnbaum zeigt halbseitig braune Blätter; wer hat Erfahrungen oder ähnliche Beobachtungen gemacht? – Es betrifft einen jungen Birnbaum im fünften Laub, eine Tafelsorte, die jedoch momentan nicht genauer benannt werden kann; es ist keine Williams-Christ-Birne. Die Baumscheibe des Jungbaumes ist frei, der Birnbaum ist als Spindel erzogen, er steht in einem eingezäunten Gartengrundstück auf Gemarkung Münklingen außerhalb der Wohnbebauung. Es befinden sich unter anderem viele weitere Obstbäume dort, wie Äpfel verschiedener Sorten, Süß- und Sauerkirsche, Zwetschgen, Quitten, aber auch weitere Birnbäume, die diesen Befall nicht zeigen.

Alle Fotos: Jochen Rabe

Einzelne Blätter werden halbseitig braun, die Trennlinie ist jeweils die Mittelrippe des Blattes. Der Befall beginnt mit kleinen braunen Punkten auf der Blattspreite, durchgängig von der Ober- zur Unterseite des Blattes, die Schadstellen weiten sich schnell aus. Bei komplett halbseitig verbräunter Blattspreite ist die braune Seite häufig umgeklappt, das Blatt sieht aus wie mittig gefaltet. Auch einige junge Früchte werden befallen, diese allerdings werden komplett schwarz, wachsen nicht mehr weiter und fallen schließlich bei leichtester Berührung ab. Dabei sind die Früchte etwa 1 cm dick. Ein erstes Auftreten des Symptoms wurde Anfang Mai 2018 festgestellt. Es wurden keine Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt.

Bislang unbekannte Krankheit an Birne

Am 18. Mai 2018 wurden Blattproben entnommen und zur Untersuchung an das Landwirtschaftliche Technologiezentrum LTZ Augustenberg gesandt. Ein Kurzbefund von Dr. Jan Hinrichs-Berger, dem Fachreferent Mykologie liegt zwischenzeitlich vor: Es konnte kein Schaderreger nachgewiesen werden. Eine Nachfrage bei Burkhart Hein, dem Leiter der LVWO Weinsberg Außenstelle Heuchlingen ergab, es könnte sich – wie so oft, wenn sich Blätter braun verfärben – um ein Pseudomonas-Symptom handeln. Auch Dr. Michael Ernst, der Leiter der Staatsschule für Gartenbau und Landwirtschaft Stuttgart-Hohenheim wurde in Kenntnis gesetzt; dieser schließt allerdings einen pilzlichen Befall nicht aus, der sehr wohl an der vitalen Mittelrippe des Blattes gestoppt werden könne. Obstbaumeister Hermann Meschenmoser, Leiter des Obstbau-Lehr- und Versuchsbetriebs beim LTZ Augustenberg sind die genannten Symptome nicht bekannt.

Die Fachwarte sowie die Kollegen des Obstbaus werden hiermit aufgerufen, ähnlich gelagerte Fälle bekanntzumachen oder diesbezügliche Erfahrungen und Beobachtungen weiterzugeben. Der Verfasser ist an einer Diskussion interessiert, die Aufklärung dieser ungewöhnlichen Krankheit liegt ihm sehr am Herzen. Die Fotos wurden am 8. Juni 2018 aufgenommen, der Befall ist seit Anfang Juni 2018 nicht mehr weiter fortgeschritten. Eine Behandlung des Baumes wurde nicht vorgenommen, er wird aber weiter beobachtet. Neue Erkenntnisse sollen hier veröffentlicht werden.

Über Bruno Böhmler

Jahrgang 1956. Fachwart für Obst und Garten seit 2003. Danach kamen immer weitere Qualifikationen hinzu: LOGL-geprüfter Obstbaumpfleger, Heckengäu-Naturführer, kommunaler Baumwart (entspr. staatl. geprüft), Pflanzendoktor der Gartenakademie, FLL-zertifizierter Baumkontrolleur, Baumwertermittler.