Vorerntebegehung 2026 – Dem Unwetter getrotzt und einen Blick in die Zukunft des Obstbaus geworfen

Zur diesjährigen Vorerntebegehung der Fachwartvereinigung Böblingen fanden sich rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Erwerbsobstanlage „Predigtplatz“ von Manfred Nuber ein.
Angesichts der Wettervorhersage war das eine beachtliche Zahl, denn pünktlich zum Beginn zog rings um den Predigtplatz ein kräftiges Unwetter auf. Glücklicherweise meinte es der Wettergott mit den Fachwarten gut:
Während es rundherum ordentlich zur Sache ging, blieb es auf dem Predigtplatz weitgehend trocken – ideales Wetter also für einen Rundgang durch die Anlage.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Jürgen Khuen blickte Manfred Nuber zunächst auf die Witterung der vergangenen Wochen zurück. Der Juni war geprägt von großer Hitze und Trockenheit, teilweise wurden neue Temperaturrekorde erreicht. Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst auch im Obstbau angekommen.

Ein deutliches Zeichen dafür sind die Kirschen: Während sie zu Manfred Nubers Jugend noch rund vier Wochen später reif wurden, ist die Ernte inzwischen deutlich früher im Jahr. Kein Wunder also, dass bereits vor zwei Wochen ein Kamerateam des SWR auf der Anlage zu Gast war. Für einen Fernsehbeitrag über exotische Obstgehölze wurde gezeigt, warum inzwischen immer häufiger Kakis, Feigen oder andere wärmeliebende Arten in heimischen Gärten Einzug halten.

Dass dies keine kurzfristige Entwicklung ist, zeigt auch ein Blick auf das Obstversuchsgut Heuchlingen. Dort wurden im Rahmen von Versuchen bereits Oliven sowie Pekannüsse angepflanzt – Kulturen, die man vor einigen Jahren wohl kaum mit Baden-Württemberg in Verbindung gebracht hätte.

Beim anschließenden Rundgang standen zunächst die Johannisbeeren im Mittelpunkt. Moderne Sorten lassen sich mittlerweile bei optimaler Lagerung bis in den Dezember aufbewahren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Früchte mit grünem Stiel geerntet werden. Gleichzeitig wurden an vielen Pflanzen deutliche Hitzeschäden sichtbar – ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr die extremen Wetterlagen den Obstbau beeinflussen.

Manfred Nuber ging außerdem auf verschiedene Krankheiten und Schaderreger ein, die durch die veränderten Witterungsbedingungen zunehmend auftreten und die Fachwarte künftig noch stärker beschäftigen werden.

Erfreulich präsentierten sich dagegen die Zwetschgenbäume, die in diesem Jahr einen guten Behang zeigen.
Besonders neugierig machte eine außergewöhnliche Sorte: der Grüne Gustav bzw. die Emmi. Diese Zwetschge bleibt selbst im reifen Zustand nahezu grün, überrascht jedoch mit einem ausgezeichneten Geschmack.
Im Handel hat sie es bislang allerdings schwer – denn viele Verbraucher verbinden reife Zwetschgen eben doch mit einer blau-violetten Farbe. Manchmal isst eben das Auge zuerst.

Ein weiterer schöner Moment war die Vorstellung des neuen Jahrgangsbaums des Fachwartelehrgangs 2026.
Gepflanzt wurde die Sorte „Gäu Gold“, die künftig ihren Platz auf dem Predigtplatz finden und an den aktuellen Lehrgang erinnern wird.

Auch im weiteren Verlauf des Rundgangs wurde deutlich, dass sich der Obstbau stetig weiterentwickelt. Neue Sorten, veränderte Anbaubedingungen und die Herausforderungen des Klimawandels sorgen dafür, dass den Fachwarten der Gesprächsstoff so schnell nicht ausgehen wird.

Nach dem fachlichen Teil durfte natürlich auch die Geselligkeit nicht fehlen. Traditionell klang die Vorerntebegehung beim gemeinsamen Grillen auf dem Predigtplatz aus. Das Wetter hielt bis zum Schluss durch, sodass in entspannter Atmosphäre gefachsimpelt, gelacht und Erfahrungen ausgetauscht werden konnten.
Erst gegen 22 Uhr wurden die letzten Bierzeltgarnituren wieder abgebaut.

Ein herzliches Dankeschön gilt dem Obst- und Gartenbauverein Malmsheim, der uns für die Veranstaltung seine Bierzeltgarnituren zur Verfügung gestellt hat.

Die Vorerntebegehung 2026 hat einmal mehr gezeigt: Der Obstbau verändert sich stetig – die Begeisterung der Fachwarte für Streuobst, neue Sorten und den gemeinsamen Austausch bleibt dagegen erfreulich beständig.

Über Farin Kariko

Beisitzer der Fachwartvereinigung e.V.