Sauerkirschenschnitt 2018

Theoretische Einweisung durch Manfred Nuber
Alle Bilder: Helmut Schmalz

Am 13. Januar 2018 fand bei brauchbarem Wetter der diesjährige Sauerkirschenschnitt statt. Manfred Nuber gestaltete den Vormittag als Schnittkurs, bei dem 27 Teilnehmer zugegen waren; zum Teil von weit her angereist (unter anderem aus Villingen-Schwenningen) und das erste Mal zugegen, teilweise aber auch bereits zehnmal begeistert mit dabei.

Theoretische Einweisung durch Manfred Nuber
Theoretische Einweisung durch Manfred Nuber

Zunächst gab Manfred Nuber eine interessante theoretische Hinführung zum Thema. Sauerkirschbäume müssen ja völlig anders behandelt werden als andere Obstbäume, da sie nur am einjährigen Holz blühen und Früchte tragen, dies ist daher auch beim Schnitt beachtenswert. Leider musste auch die Stecklenberger Krankheit, hervorgerufen durch ein Virus (Necrotic Ring Spot Virus), angesprochen werden. Dieses Virus wird hauptsächlich durch Nematoden übertragen, die zwar während ihres kurzen Lebens im Boden nur etwa 30 cm zurücklegen; durch die enge Pflanzung der Bäume überschneiden sich jedoch die Wurzelbereiche, so dass es die Nematoden leicht haben, von einer Baumwurzel zur nächsten zu gelangen und so das Virus erkennbar weiterzutragen. Die sichtbaren Symptome sind gestauchte Triebe, also kurze Internodien, und die Früchte schmecken bitter. Noch gibt es kein Mittel gegen diesen Befall, es bleibt nichts anderes übrig, als die befallenen Bäume zu roden.

Praktische Unterweisung
Praktische Unterweisung

Nach einem leckeren Mittagessen schnitten nachmittags etwa 10 Interessierte auf freiwilliger Basis weiter, das Ende war gegen 17 Uhr erreicht. Das Wetter war kühl, jedoch trocken, und es war ein angenehmes Arbeiten möglich. Es wurden vor allem Sägeschnitte durchgeführt; da die Bäume in einer Selbstpflückeanlage stehen, müssen sie so höhenbegrenzt werden, dass ein Ernten nur vom Boden aus möglich wird. Die teilweise vorhandenen Peitschentriebe bis zur Erde wurden zurückgenommen.

Beim gemeinsamen Mittagessen
Beim gemeinsamen Mittagessen

Die Sauerkirschbäume stehen meist auf starkwachsender Unterlage, es sind überwiegend die Sorten „Schattenmorelle“ und „Beutelsbacher Rexelle“. Die neu hinzugekommenen Nachpflanzungen (nun auch andere Sorten) stehen enger, da sie die schwächere Unterlage „GiSelA 5“ aufweisen. Dadurch, dass jeweils etwa 50 Prozent der Kronen weggeschnitten werden, haben die Bäume jedes Jahr eine andere Form. Ein starkes Triebwachstum ist gefordert, weil der Fruchtansatz sich eben nur am einjährigen Holz findet. Also Achtung: Die Schnittmethode an Sauerkirschen ist keinesfalls auf andere Obstbäume übertragbar!

Über Bruno Böhmler

Jahrgang 1956. Fachwart für Obst und Garten seit 2003. Danach kamen immer weitere Qualifikationen hinzu: LOGL-geprüfter Obstbaumpfleger, Heckengäu-Naturführer, kommunaler Baumwart (entspr. staatl. geprüft), Pflanzendoktor der Gartenakademie, FLL-zertifizierter Baumkontrolleur, Baumwertermittler.