Wildobstanbau auf dem Bärenhof

Gruppenbild der Teilnehmer auf dem Bärenhof
Gruppenbild der Teilnehmer auf dem Bärenhof

An Wildobst interessierte Fachwarte waren am 14. Juli 2018 zu einer Besichtigung auf dem Bärenhof in Leinfelden-Echterdingen Ortsteil Stetten eingeladen. Frau Gudrun Vohl-Grözinger begrüßte die teilweise mit Ehefrauen anwesenden Fachwarte freundlich mit kalten Getränken und stellte ihren Hof vor. Dieser liegt auf der Weidacher Höhe und umfasst etwa 11 Hektar Fläche; überwiegend Beerenfrüchte werden angebaut, in kleinem Umfang aber auch Gemüse. Auch Streuobstwiesen werden bewirtschaftet und Legehennen gehalten, die Besonderheit des Hofes ist jedoch die Kultivierung von verschiedensten Wildobstarten.

Theoretische Einführung
Theoretische Einführung
Die Referentin Frau Gudrun Vohl-Grözinger
Die Referentin Frau Gudrun Vohl-Grözinger

Mit der Frage: „Was ist Wildobst?“ begann die theoretische Einführung ins Thema, verbunden mit einem nicht einfachen Bilderquiz, an welchem die Fachwarte in zwei Gruppen gegeneinander antraten. „Wildobst“ ist ursprünglich nicht züchterisch bearbeitet; an Inhaltsstoffen finden sich unter anderem Vitamine, Gerb- und Bitterstoffe, Flavonoide, Anthocyane, Pektine und vieles weitere.

Anschließend erfolgte die Begehung des Wildobstquartiers. Stichpunktartig seien hier einige Features zu ausgewählten Wildobstarten genannt.

Beim Bilderquiz
Beim Bilderquiz

Die Kornelkirsche ist ein Strauch der Hartriegelgewächse und mit der Kirsche botanisch nicht näher verwandt. Sie wächst sehr langsam und blüht schon zeitig im Frühjahr. Man sollte die Früchte nur vollreif ernten, sie fallen dann von alleine vom Strauch. Die Frucht hat einen relativ großen Stein, der sich nur schwer vom Fruchtfleisch löst. Inzwischen wird die Kornelkirsche auch züchterisch bearbeitet, die Sorte „Jolico“ ist eine empfehlenswerte großfrüchtige Zuchtform für den Hausgarten.

Von der Felsenbirne gibt es verschiedene Arten, davon hat die Kupfer-Felsenbirne eine verwertbar große Frucht. Inhaltsstoffe sind vor allem Gerbstoffe, Flavonoide und Pektin.

Die Mispel findet sich bei uns selten. Es wird empfohlen, die Ernte nach den ersten Frost zu legen, die Früchte werden so erst weich und teigig, auch süß, bleiben aber herb durch einen hohen Pektingehalt.

Gudrun Vohl-Grözinger (rechts) löst das Quiz auf
Gudrun Vohl-Grözinger (rechts) löst das Quiz auf

Der Holunder ist leicht giftig, auch das Blatt und die Rinde; die Beeren wirken abführend, weshalb sie zunächst erhitzt werden müssen. Nur die Blüten sind schulmedizinisch anerkannt, der Rest (also auch die Früchte) nur volksmedizinisch. Für Liebhaber von Holunderpfannkuchen: Die Blüten des Wilden Holunders duften besser.

Früchte des Sanddorns
Früchte des Sanddorns

Sanddorn ist ein zweihäusiger Strauch mit weitreichendem Wurzelsystem, das gerne Wurzelbrut bildet. Nachdem der Tagesbedarf an Vitamin C für einen Erwachsenen etwa 60–70 Milligramm beträgt, vermag Sanddorn einen höchsten Wert von 500–1500 Milligramm pro 100 Gramm Beeren zu liefern. Der Saft aus Sanddornbeeren ist ölig und muss sich zunächst absetzen. Auch Vitamin E ist enthalten. Sanddorn trägt am einjährigen Holz. Die Sorte „Pollmix“ ist zwittrig und selbstfruchtbar.

Die Früchte der Eberesche (Vogelbeere) können zu Marmelade und Saft verarbeitet werden, es wird empfohlen, sie für ein optimales Zucker-Säure-Verhältnis früh zu ernten.

Die Ebereschen werden begutachtet
Die Ebereschen werden begutachtet

Die Edel-Eberesche ist eine Mutation der Eberesche, ihre Früchte sind nicht bitter. Nur bei der Edel-Eberesche sind die Blätter im oberen Teil gesägt und unten glattrandig, so sollen sie zur Unterscheidung von der Eberesche herangezogen werden können. Der aus den Früchten hergestellte Vogelbeerschnaps ist sehr teuer, da die Ausbeute nur etwa 1–1,5 Liter pro 100 Kilogramm beträgt.

Wegen der Hagebutten sind auch Rosen ein Thema, wenn es um Wildobst geht. Die Fruchtrose „Piro“ sowie die „Pillnitzer Vitaminrose“ wurden erwähnt. Hier ist die Erziehung einer Fruchtwand interessant. Die Hagebutten dieser Sorten weisen keine Säure auf, die Sträucher sind fast stachellos. Die Kartoffelrose besitzt kugelrunde Hagebutten, allerdings auch viele Stacheln. Generell wird für Hagebutten eine frühe Ernte empfohlen. Eine in der Nähe gepflanzte Rosa multiflora steht hier nur zur Zierde, ihre Früchte sind nicht verwertbar.

noch unreife Scheinquitten
noch unreife Scheinquitten

Die Japanische Zierquitte war ursprünglich ein reiner Zierstrauch, die Früchte lassen sich jedoch wie Quitten verarbeiten, weshalb die Zierquitte auch Scheinquitte heißt. Der hohe Pektingehalt ergibt entweder ein gutes Gelee oder kann als Gelierhilfe verwendet werden. Die Zierquitte „Cido“ blüht rot, weist eine harte Frucht auf, hat ein zitrusartiges Aroma und wird als „Nordische Zitrone“ bestens vermarktet. Sie soll in der DDR wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehaltes Zitronenersatz gewesen sein. Es gibt auch weiß blühende Zierquittenarten. Quittenmus lässt sich übrigens mit Sanddorn (gelb) oder Kornelkirsche (rot) gut ein- bzw. umfärben.

Reife Apfelbeeren
Reife Apfelbeeren

Zur Apfelbeere (Aronia) war kurz und bündig zu erfahren: Sie ist gesund, schmeckt aber nicht gut.

Im Anschluß an die Begehung des Wildobstquartiers bot der Hof eine Verkostung verschiedenster Marmeladen und Brotaufstriche an, es gab auch Saft mit Giersch-Aroma und andere Getränke. Der Hofladen war geöffnet und das vielfältige Warenangebot wurde von den Fachwarten gerne angenommen.

Helmut Schmalz bedankt sich bei Gudrun Vohl-Grözinger
Helmut Schmalz bedankt sich bei Gudrun Vohl-Grözinger

Über Bruno Böhmler

Jahrgang 1956. Fachwart für Obst und Garten seit 2003. Danach kamen immer weitere Qualifikationen hinzu: LOGL-geprüfter Obstbaumpfleger, Heckengäu-Naturführer, kommunaler Baumwart (entspr. staatl. geprüft), Pflanzendoktor der Gartenakademie, FLL-zertifizierter Baumkontrolleur, Baumwertermittler.