Vorerntebesichtigung 2019

Die Fachwartvereinigung hatte auf den 5. Juli 2019 zur Vorerntebesichtigung eingeladen. Stets findet sie am Predigtplatz bei Weil der Stadt auf Manfred Nubers etwa einem Hektar großen Obstgrundstück statt. Sie soll insbesondere den Jungfachwarten die Möglichkeit bieten, die Entwicklung der Obstbäume und Beerensträucher in Augenschein zu nehmen, die alljährlich im zeitigen Frühjahr durch sie geschnitten werden. Die Vorerntebesichtigung ist ein Bestandteil der Ausbildung der Jungfachwarte. Das anschließende gesellige Zusammensein soll dem gegenseitigen Kennenlernen und Austausch dienen.

Die anwesenden Fachwarte staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass dies bereits die zweite Vorerntebesichtigung sei. Die Fachwarte des Ausbildungsjahrgangs 2019, die sogenannten Jungfachwarte, trafen sich schon zwei Tage vorher. Daher waren auch ausschließlich Altfachwarte zugegen, die den leider falsch gesetzten Termin aus der Veröffentlichung auf der Website entnehmen konnten. Insofern war es eine nur kleine Runde, aber ein schönes Zusammentreffen, und man war sich einig, zuerst zum gemütlichen Teil mit gemeinsamem Grillen überzugehen und eine verkürzte themengebundene Begehung erst später folgen zu lassen.

Der Auf- und Abbau war in Windeseile erledigt, wurden doch nur zwei Tische und vier Bänke benötigt. Es duftete nach Leckerem vom Grill, einige Fachwartinnen hatten zudem Salate mitgebracht und die kühlen Getränke waren wirklich kühl, Manfred Nuber hatte sie in seinem Kühlraum bei 2 Grad Celsius eingelagert. Außerdem stand ein Bottich mit Eiswasser zur Verfügung, was bei den herrschenden Temperaturen sehr von Vorteil war.

Man unterhielt sich zwanglos und freute sich über das Wiedersehen. Selbstverständlich wurden auch derzeit aktuelle fachliche Themen angesprochen, wie Kirschenunterlagen, Tabakzucht, örtlich massiver Befall durch die Apfelgespinstmotte, Mispelverarbeitung, Baumwartausbildung, Obstbaumveredelungen und so weiter. Auch so mancher Witz erfreute die Runde.

Die Fachwarte in fröhlicher Runde

Derzeit sind die meisten Kirschen reif, auch die ersten roten Johannisbeeren, spätere Sorten allerdings sind teilweise noch grün. Die Erziehungsform Dreiasthecke bot einen überwältigenden Anblick auf den tollen Ertrag und macht die Vorteile bei der Beerntung und Kultur anschaulich sichtbar. Einen schönen Fruchtbehang zeigten die Jostabeeren. Die Stachelbeeren litten teilweise unter Sonnenbrandschädigungen.

Dornenlose Brombeeren, abgehende Blüte

Erst spät am Abend, es dämmerte schon und die nachtaktiven Junikäfer begannen zu fliegen, konnte Manfred Nuber einige Ableger seiner Bienenvölker zeigen und Wissenswertes zur Ablegerbildung und zum Schwarmverhalten erklären, der natürlichen Vermehrungsweise der Bienenvölker. Anschaulich präsentierte er einige entnommene Wabenrahmen, selbstverständlich konnte vom eingetragenen Honig direkt aus den Waben gekostet werden. Auch die Bienenkönigin war von Interesse und durch ihren neongrünen Punkt auf dem Rücken aus der Menge der Bienen schnell entdeckt.

Am Bienenstand

Beim gemeinsamen Rundgang waren insbesondere auch Kiwikulturen von Interesse. Die Kiwi ist zweihäusig, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Mitunter werden im Handel auch „selbstfruchtbare“ Pflanzen angeboten, oft befindet sich dann jedoch ein männlicher und ein weiblicher Trieb in einem Topf vereint. Häufig wird darauf hingewiesen, dass der Fruchtertrag enorm gesteigert werden kann, wenn zusätzlich eine männliche Kiwi gepflanzt wird. Der Boden sollte ein leicht saures Milieu aufweisen mit einem empfohlenen pH-Wert von etwa 5,8. Kiwis sind sehr frostempfindlich.

Unermüdlich: Manfred Nuber mit Erläuterungen zur Kiwikultur, es wird schon dunkel

Zum Schluß wurden noch Süßkirschen unterschiedlichster Sorten verkostet. Die illustre Runde löste sich erst nach 22 Uhr auf. Durch das Terminversehen gab es dieses Jahr zwei Vorerntebesichtigungen, was aber zukünftig vermieden werden soll. Die Jungfachwarte sollen die Möglichkeit haben, die gestandenen Fachwarte vergangener Jahrgänge zu treffen, und auch die Altfachwarte sind stets daran interessiert, die Neuen kennenzulernen.

Über Bruno Böhmler

Jahrgang 1956. Fachwart für Obst und Garten seit 2003. Danach kamen immer weitere Qualifikationen hinzu: LOGL-geprüfter Obstbaumpfleger, Heckengäu-Naturführer, kommunaler Baumwart (entspr. staatl. geprüft), Pflanzendoktor der Gartenakademie, FLL-zertifizierter Baumkontrolleur, Baumwertermittler.