Sommerschnittkurs 2019 am Predigtplatz

Der diesjährige Sommerschnittkurs fand am 13. August 2019 auf Manfred Nubers Obstgrundstück am Predigtplatz bei Weil der Stadt statt. Nachdem eine Anzahl von Jungfachwarten bei der diesjährigen Vorerntebesichtigung nicht zugegen sein konnte, verband Manfred Nuber den Gang ins Apfelquartier mit einem Besichtigungsrundgang seiner Obstkulturen.

Beginnende Fruchtreife bei der dornenlosen Brombeere „Thornless Evergreen“

Derzeit reifen die späten Sorten der Roten Johannisbeere. So konnte unter anderem die Sorte „Red Poll“ verkostet werden, eine der sehr spät reifenden Sorten, was allerdings zu Problemen mit der Kirschessigfliege führt. Die tief dunkelroten Beeren können beim Verbraucher zudem eine Überreife suggerieren, weshalb sie häufig nicht gerne abgenommen werden und daher nicht gerade ein Verkaufsschlager sind. Die neue frühe Sorte „Haronia“ reift in der zweiten Johannisbeerwoche, weist aber ein sehr langes Erntefenster auf. Bei den Weißen Johannisbeeren, beispielsweise der im Juli und bis Anfang August reifenden milden Sorte „Vit Jätte“, sind durch die transparent wirkende Fruchthaut deutlich die Kerne sichtbar, weshalb sie vor allem bei Kindern nicht sonderlich beliebt sind. Die dornenlose Brombeere „Thornless Evergreen“ wird wohl verworfen werden müssen, der Befall durch die Kirschessigfliege ist einfach zu groß.

Gelbe Zwetschge „Myra“, eine Neuzüchtung von Dr. Walter Hartmann

Unter den Zwetschgen gibt es neuerdings eine gelbe Sorte, „Myra“, die ähnlich einer Schlehe blüht. Sie ist eine Neuzüchtung von Dr. Walter Hartmann, einem ehemaligen Institutsleiter der Universität Hohenheim. Bei den Äpfeln wird in diesem Jahr ein hoher Ernteausfall durch Schorfinfektion zu beklagen sein. Manfred Nuber schätzt den Ausfall bei der Sorte „Arlet“ auf bis zu 70 Prozent, bei „Rubinette“ dürfte es sogar einen Totalausfall geben.

Zum Sommerschnittkurs an schwachwüchsigen Apfelspindeln der Sorte „Pinova“ zeigte Manfred Nuber zunächst die Vorteile auf. Diese sind unter anderem:

  • weniger Pilzinfektionsgefahr,
  • bessere Wundverheilung,
  • triebberuhigende Wirkung,
  • bessere Belichtung insbesondere von Schattenfrüchten,
  • nicht zuletzt angenehmeres Arbeiten als im Winter.

Frühe Sorten, die schon abgeerntet sind, können bereits fertiggeschnitten werden („vorgezogener Winterschnitt“). Anstelle des Schneidens mit der Schere können insbesondere Neutriebe auch gerissen werden; dieser sogenannte Sommerriss sollte jedoch nur an Stellen durchgeführt werden, an denen keine Neutriebbildung gewünscht wird, weil schlafende Augen mit entfernt werden.

Manfred Nuber: Freigestellte Schattenfrüchte

Zu den wenigen Nachteilen des Sommerschnitts zählen:

  • Sonnenbrandgefahr für die freigestellten Früchte,
  • Hagelgefahr, weil schützende Laubtriebe fehlen.

Im anschließenden Praxisteil konnten die Teilnehmer an Süßkirschenspindelbäumen das Gelernte üben und vertiefen. Einige unterstützende Altfachwarte standen hilfreich zur Seite. Das Ende war gegen 21 Uhr erreicht, im Anschluss konnte noch eine Anzahl Fachbücher erworben werden. Es war eine gelungene und mutmachende Veranstaltung, Danke Manfred Nuber!

Über Bruno Böhmler

Jahrgang 1956. Fachwart für Obst und Garten seit 2003. Danach kamen immer weitere Qualifikationen hinzu: LOGL-geprüfter Obstbaumpfleger, Heckengäu-Naturführer, kommunaler Baumwart (entspr. staatl. geprüft), Pflanzendoktor der Gartenakademie, FLL-zertifizierter Baumkontrolleur, Baumwertermittler.